In der Stuttgarter Clearingstelle ist es eng und voller Bewegung. Menschen kommen mit Fragen, Sorgen und kryptischen Briefen vom Amt. Sozialarbeiterin Sophia Gliatis (31) hilft ihnen, sich im Behördendschungel zurechtzufinden. „Die Menschen sind oft überfordert“, sagt sie, „und das kann ich gut verstehen. Es geht ja nicht darum, einfach bei der Krankenversicherung anzurufen und sich anzumelden, sondern um so viel mehr. In Gesprächen versuche ich zunächst herauszufinden,wo die Person bisher versichert war, warum sie es nicht mehr ist und ob sie überhaupt schon mal in Deutschland versichert war. In einigen Fällen geht es auch erst mal darum zu klären, ob die Menschen einen geregelten Aufenthaltsstatus haben.“ Manchmal sei das Fehlen der Krankenversicherung das kleinste Problem, erzählt Gliatis. „Sie haben keinen Status, kein Geld, keine gesicherte Existenz.“
Die Clearingstelle (vom englischen Begriff to clear = klären) ist eine neutrale Instanz, die dabei hilft, Probleme zu lösen, oft zwischen zwei Parteien wie etwa Bürger und Behörde. An den Standorten der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM) in Mannheim und Stuttgart gibt es dieses Beratungsangebot. Beide Clearingstellen werden durch das Land Baden-Württemberg über „Projekte zur anonymen Krankenbehandlung“ gefördert. Im Jahr 2024 konnten in Stuttgart 52 Clearingfälle bearbeitet werden. Dabei gelang es, 30 Menschen wieder in die Krankenversicherung zu integrieren. „Ein Clearingprozess braucht viel Zeit“, sagt Gliatis. Sie müsse viele Telefonate führen, häufig seitenlang Formulare ausfüllen oder in Gesetzestexten nachlesen, wie überhaupt die Rechtslage sei. Manchmal begleite sie auch Menschen zu Terminen vor Ort. „Es gibt selten Fälle, die leicht zu klären sind.“ Manchmal sei es mühsam, aber meistens mache es ihr Spaß, weil sie das Gefühl habe, etwas bewirken zu können: „Die Menschen haben Rechte. Und wir setzen durch, dass sie die Rechte auch bekommen.“