Ausbeutung im Verborgenen

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Eine Frau und ein Mann auf einem Feld beim Spargelstechen
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Es klingt nach einem unsichtbaren Randphänomen, ist aber in Wahrheit nach Waffen und Drogen das drittgrößte kriminelle Geschäft der Welt mit einem geschätzten Umsatz von 240 Milliarden US-Dollar. Und es wächst rasant weiter: Etwa 50 Millionen Menschen sind weltweit von sexueller Ausbeutung, Arbeitssklaverei, Kinderhandel, Organhandel und anderen körperlichen oder finanziellen Zwangshandlungen betroffen. Konkret kann das bei uns in Deutschland neben erzwungener Prostitution etwa auch Arbeitsausbeutung in der Landwirtschaft, in Nagel- und Massagestudios, in der Pflege oder der Gastronomie sein. 


Engagement des Malteserordens

Seit 2017 setzt sich der Malteserorden auf internationaler Ebene mit zwei Sonderbotschaftern – bei den Vereinten Nationen (UN) in Genf und in Lagos, Nigeria – gegen diese Verbrechen gegen die Menschenwürde. Er macht in internationalen Gremien, etwa beim UN-Menschenrechtsrat, auf die vielfältigen Formen der modernen Sklaverei aufmerksam, organisiert internationale Konferenzen und knüpft Netzwerke zur Koordination des Kampfes gegen den Menschenhandel. 

Die Botschaft des Malteserordens bei der deutschen Bundesregierung hat sich „Menschenhandel“ als Jahresthema für 2026 gewählt. „Wir treffen Politiker, wir treffen Beamte, wir treffen Leute aus der Gesellschaft – es geht um Sensibilisierung“, erläutert Botschafterin Vinciane von Westphalen. „Unsere DNA als Malteserorden ist es ja, Leben zu schützen, und wir sind unabhängig. Das gibt uns die Freiheit, auch Tabuthemen anzusprechen.“

Maßnahmen in den Migrationseinrichtungen

In Deutschland vertritt Anna Eltz, Teil der Geschäftsleitung der Malteser Werke, die Malteser in der Arbeitsgruppe „Menschenhandel“ der deutschen Bischofskonferenz und hat ein spezielles Programm in den Malteser Migrationseinrichtungen etabliert. „Wir schulen bewusst alle Mitarbeitendengruppen darin, sensibilisiert zu sein auf Anzeichen von Menschenhandel, und entwickeln gemeinsam nächste mögliche Schritte für den jeweiligen Standort“, erläutert sie den Ansatz in den Unterkünften.

Anzeichen von Menschenhandel

„Wenn Menschen unter sichtbarer Überwachung stehen, etwa nicht frei telefonieren können, wenn sie hohe oder unerklärliche Schulden haben, wenn körperliche Anzeichen auf Misshandlung hindeuten oder einfach ein anhaltend schlechtes Aussehen auffällt, dann kann das auf Formen des Menschenhandels hinweisen“, erklärt Marie Blaschtschack. Als Referentin der Fachorganisation Solwodi organisiert sie für die Malteser die Online-Schulungen. Zudem legt sie vor Ort in den Geflüchteten-Unterkünften mit allen Berufsgruppen Meldewege und angepasste Folgemaßnahmen fest. 

Wie reagieren?

Ufuk Maden leitet die Malteser Betreuungen in Wickede-Wimbern und Werl. Als wichtigen ersten Schritt in Verdachtsfällen oder bei einem „komischen Bauchgefühl“ empfiehlt er: „Keine Konfrontation und keinen Druck, nicht nachbohren, sondern erst einmal zuhören, Vertrauen aufbauen.“ Dann die dafür benannten Personen ansprechen, die wiederum Kontakt zu Fachberatungsstellen aufnehmen können. Übrigens: Fachstellen für eine vertrauliche Beratung stehen uns allen kostenlos offen (siehe „An wen kann ich mich wenden?“).

Manchmal nur bedingter Schutz für Betroffene

Um geflüchteten, von Gewalt betroffenen Mädchen und Frauen in persönlicher Beratung und durch Schulung der Mitarbeitenden in Unterkünften Unterstützung anzubieten, hat der Malteser Hilfsdienst in Stuttgart 2022 das Projekt „Invicta“ ins Leben gerufen – und ist auch hier mit Menschenhandel konfrontiert. Dort kommen zum Beispiel Frauen aus Afrika in die Beratung, denen im Heimatland ein Job als Au Pair oder in einem  Restaurant in Italien oder Spanien versprochen wurde, die nach Ankunft dort zur Prostitution gezwungen wurden und aus dieser dann nach Deutschland geflüchtet sind. Doch hier genießen sie nur bedingten Schutz, denn das Dublin-Abkommen ermöglicht ihre Rückführung in das europäische Erstaufnahmeland. Und die Erfahrung zeigt, dass die meisten solcher Menschenhandelsfälle hier kein Asyl bekommen, abgeschoben werden und dann in hohem Maße Gefahr laufen, wieder in dieselben Zwangsstrukturen zu geraten. 

Hinsehen statt wegschauen

Als engagierter Protagonist im Kampf gegen den Menschenhandel macht der Botschafter des Malteserordens bei der österreichischen Bundesregierung, Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath, darauf aufmerksam, dass hier unser aller Eintreten möglich und gefordert ist. Denn es passiert oft in Sichtweite auch in Bereichen, wo wir es nicht erwarten. Geldwäsche etwa in Restaurants, Bars, Wettbüros, Spielhallen oder über Konten von Privatpersonen ist nur eine andere Seite der Medaille der Ausbeutung, da die Geldströme ja wieder zu den eigentlichen Drahtziehern zurückfließen: „Nur wenn wir nicht wegsehen, sondern hinschauen und aktiv werden, können wir jene schützen, deren Würde tagtäglich mit Füßen getreten wird.“

An wen kann ich mich wenden?

Vertrauliche Beratung auch für Außenstehende, Kolleginnen und Kollegen, Bekannte:

  • Beratungsstellensuche des bundesweiten Koordinierungskreises 
    gegen Menschenhandel > Link
  • Anonyme Hilfe bei Menschenhandel - per E-Mail/Chat > Link
  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016