Wer einmal erlebt hat, was passiert, sobald auf dem Hof einer Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Familien ein Fußball ins Rollen kommt, erkennt die Verbindung sofort. Kinder aus unterschiedlichen Ländern rennen gemeinsam hinter dem Ball her, verfolgen dasselbe Ziel und erleben die Freude am Spiel. Für einen Moment sind alle Teil eines Teams. Niemand denkt darüber nach, sich nach Herkunftsländern aufzuteilen, und es spielt keine Rolle, ob alle dieselbe Sprache sprechen. Hier ist man zum Spielen gekommen, nicht zum Reden. Der Fußball wird zur gemeinsamen Sprache, die jeder versteht.
Genau diese Erfahrung wurde beim Tag der Kulturen in der Unterkunft in Stuttgart-Weilimdorf gemacht. Die Veranstaltung brachte Familien, Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Kooperationspartner der Malteser zusammen. Gemeinsam setzten sie ein Zeichen für gelebte Integration und unterstützten Menschen auf ihrem Weg in ein neues Leben in Deutschland.
Speisen, traditionelle Kleidung, Musik, Theater, Kunst – und natürlich Fußball. Schon während die Flaggen der für die Weltmeisterschaft qualifizierten Nationen aufgehängt wurden, suchten viele nach der Fahne ihres Lieblingsteams. Die Erwachsenen begannen sofort darüber zu sprechen, wer Weltmeister werden könnte, während die Kinder ihre Lieblingsspieler nannten: „Cristiano Ronaldo!“ – „Mir gefällt Messi besser!“, hörte man von allen Seiten. Plötzlich rief ein Junge: „Nadiem Amiri!“
Ein Name, der vielleicht nicht weltweit so bekannt ist wie die beiden anderen. Doch sofort musste ich an das Jahr 2021 denken. Damals besuchte Nadiem Amiri eine Malteser-Unterkunft in Stuttgart und lud einige Bewohner zu einem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft ein.
Auch dieser Tag fühlte sich wie ein Tag der Kulturen an. Wieder brachte der Fußball die Menschen zusammen und machte aus vielen Einzelnen ein Team. Gleichzeitig vermittelte der DFB-Nationalspieler mit afghanischen Wurzeln, den Kindern eine wichtige Botschaft: Sie sollten niemals aufhören, von einer großen Zukunft zu träumen, ihre Talente zu entwickeln und ihre Ziele zu verfolgen.
Genau diese Mischung aus Hoffnung, Zusammenhalt und der Überzeugung, dass jeder Mensch seine Ziele erreichen und einen wertvollen Beitrag für Deutschland leisten kann, macht unsere Gesellschaft stark. Vielfalt bereichert uns.
Denn letztlich spielt es keine Rolle, woher man kommt, sondern was man gemeinsam daraus macht. Wer nach Deutschland kommt, bringt Erfahrungen, Talente, Geschichten und Perspektiven mit. Wenn wir einander mit Offenheit begegnen, entsteht daraus etwas Wertvolles für alle.
Deshalb lautet die Einladung zum Weltflüchtlingstag: Zieht euer Trikot an, lauft gemeinsam einem Ziel entgegen, gewinnt das Spiel gegen Diskriminierung und feiert die Tore der Integration, der Vielfalt und des Zusammenhalts. Denn wie auf dem Fußballplatz gelingt auch im Alltag vieles nur gemeinsam – als Mannschaft.