Fastenzeit

„Weniger ist manchmal mehr…“ – Vom Fasten und Kürzertreten

/

Adobe Stock AGPhotography

In allen Religionen ist das zeitweise Fasten ziemlich verbreitet: im Judentum zum Beispiel an besonderen Tagen oder vor Festen, im Islam ist es ein ganzer Monat, im Christentum sind es 40 Tage, die an die Wüstenzeit Jesu erinnern. In diesem Jahr fallen die christliche Fastenzeit und der muslimische Fastenmonat Ramadan sogar ziemlich genau auf einen Tag: Der Ramadan beginnt 2026 am Dienstag vor dem christlichen Aschermittwoch.

Heute nutzen gar nicht so wenige Christen diese Zeiten zur Gewichtsreduktion nach den kalorienreichen weihnachtlichen Momenten oder auch der „ausschweifenden“ Karnevalszeit. Das ist auch gut so. Und dennoch verbinden die Religionen einen anderen Gedanken mit diesem Fasten: sicherlich, es war – besonders auch im Christentum – ein Festhalten an einem kirchlichen Gebot: „Fasten“ stammt aus dem Althochdeutschen Wort für „festhalten“. Und es geht eigentlich auch um etwas anderes als um die Rückkehr zum Idealgewicht, um mehr als Fasten um des Fasten willens.

Vom "Weniger" zur Wertschätzung

„Weniger ist mehr“, dieser Satz aus dem Volksmund ist uns schon oft begegnet, aber genau darum geht es: Das „Weniger“ kann uns wieder hinführen zur Wertschätzung dessen, was uns so selbstverständlich geworden ist. Kann uns die Augen öffnen für die Dinge im Leben, die wirklich wichtig sind. Wenn zum Beispiel früher in vielen Kirchen die großen Flügelaltäre von Aschermittwoch bis Ostern geschlossen wurden, dann sollte diese Reduktion der visuellen Reize – durch das Verbergen der vergoldeten Figuren und szenischen Darstellungen – dem Ziel dienen, an Ostern „die Welt“ wieder mit neuen Augen zu sehen; das eigentlich Vertraute wiederzuentdecken und dabei neu Freude daran zu haben.

In den vor uns liegenden Wochen geht es – so meine ich – nicht um radikalen Verzicht all dessen, was uns Freude macht und unser Leben bereichert, sondern um die ein oder andere bewusste Einschränkung. Dann werden wird aus selbstverständlichem Verzehr ein geschmacklicher Genuss, aus dem Online-Fasten eine Wiedersehensfreude mit unseren vielfältigen Kontakten. In diesem Sinne wünsche ich uns allen – so unterschiedlich wir auch sind und so unterschiedlich wir auch fasten – eine frohe Zeit und den Blick für die schönen Momente des Lebens!


Autor dieses Beitrags ist Patrick Hofmacher. Er ist Leiter des Geistlichen Zentrums in Ehreshoven und hat auch die diesjährige Romwallfahrt begleitet. Er war er Geschäftsführer der Malteser Werke. Hofmacher hat Theologie und Philosophie studiert und stieg nach vier Jahren Seelsorge 1993 bei den Maltesern als Betreuungsleiter der Einrichtungen in Hamm ein.