Standpunkt

Haltung zeigen – die Liebe ist unser Maßstab

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Wir leben in einer Zeit, in der die gesellschaftliche Polarisierung zunimmt und politische Bewegungen an Zuspruch und Einfluss gewinnen, deren Grundhaltung mit den Werten der Menschlichkeit, Solidarität und Nächstenliebe kollidieren. Wir Malteser sind keine politische Organisation. Unser Auftrag ist nicht auf eine gesellschaftspolitische Betätigung, sondern auf den konkreten Dienst am Nächsten ausgerichtet. Als Malteser halten wir uns daher mit politischen Positionierungen zurück, wir handeln neutral und unparteiisch. Aber: Neutralität bedeutet nicht, keine Haltung zu zeigen. 

Unsere Haltung fußt auf dem christlichen Gottes- und Menschenbild. Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes und besitzt eine unverlierbare Würde. Jeder Mensch ist ein einzigartiges, unersetzbares, von Gott gewolltes und geliebtes Wesen. Daraus erwächst uns Menschen eine Verantwortung – gegenüber unseren Mitmenschen und gegenüber Gott. Gemeint ist das christliche Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe. Es ist unsere Berufung und unsere Aufgabe, die unendliche Liebe Gottes zu uns Menschen einander weiterzugeben, sie konkret spürbar und erlebbar zu machen.

Unser Malteser Proprium „Glauben und helfen“ ist weit mehr als ein Motto – es ist handlungsleitender Anspruch und Auftrag. Gerade in einer Zeit, in der Kriege, Katastrophen, Flucht und Schicksalsschläge vielfältiges Leid, Krankheit, Einsamkeit, Obdachlosigkeit, Elend und andere Not hervorrufen, wollen wir Bedürftigen in Liebe begegnen. Wir wollen Menschen in schwierigen Lebenssituationen beistehen und sie unterstützen. Dabei ist uns zweierlei wichtig. Zum einen: Wir helfen jedem Menschen in Not. Für uns ist es unerheblich, welche Hautfarbe, welches Geschlecht oder welches Aussehen er hat, welche Sprache er spricht, welcher Religion er angehört und auch, aus welchem Grund er in Not geraten ist. Zum anderen: Alle Menschen, die dem Auftrag und dem Selbstverständnis der Malteser aufgeschlossen gegenüberstehen und die christlichen Grundlagen der Malteser anerkennen, sind eingeladen mitzuarbeiten; sie sind bei uns willkommen und wertgeschätzt.

Wir distanzieren uns von Positionen, die Diskriminierung und Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus die Bahn ebnen.

Aus diesem Selbstverständnis ergeben sich klare Grenzen. Wir distanzieren uns von Positionen, die Diskriminierung und Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus die Bahn ebnen. Wenn Menschen abgewertet, ausgegrenzt oder gegeneinander aufgehetzt werden, widerspricht dies der Liebe, aus der Christsein lebt. Ideologien, die Menschen für weniger wert oder weniger schützenswert halten, lehnen wir ab. „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“, haben schon die deutschen katholischen Bischöfe 2024 in einer gemeinsamen Erklärung unmissverständlich klargestellt. Darum sagen wir Nein zu Extremismus: egal ob von rechts, von links oder religiös aufgeladen – überall dort, wo die Würde verletzt, Gewalt verharmlost oder unsere demokratische Ordnung verächtlich gemacht wird. Eine Gesinnung, die die Würde des Menschen zu relativieren versucht, ist mit unseren Grundüberzeugungen nicht vereinbar.

Diese Haltung ist nicht abstrakt, sondern gelebte Praxis: Unsere Mitarbeitenden kommen aus fast 100 Nationen; viele gehören keiner christlichen Konfession an. Wir betreiben Einrichtungen für geflüchtete Menschen. Im Schulbegleitdienst unterstützen wir Kinder mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen. In unseren Pflegeeinrichtungen und in der Hospizarbeit begleiten wir sterbende Menschen ... Gerade im Bewusstsein um die Verletzlichkeit vieler der uns anvertrauten Menschen sind wir verpflichtet, uns für eine solidarische mitfühlende Gesellschaft einzusetzen, die die Menschenwürde achtet. Lassen wir die Liebe Gottes, die uns trägt, in unserem Dienst sichtbar werden. Sie ist unser Maßstab. Geben wir jeden Tag ein Beispiel dafür, wie aus christlichem Glauben heraus Hilfe erwächst. So bleiben wir Malteser das, was wir sein sollen: ein Dienst aus Liebe.

Haltung ist für uns Malteser kein zeitgeistiges Statement, sondern Tradition und Auftrag. Schon die Nationalsozialisten begegneten dem Malteserorden mit Argwohn und Abneigung. Mitglieder des Malteserordens konnten nicht in die NSDAP eintreten; eine gleichzeitige Mitgliedschaft in Partei und Orden war unvereinbar. Der Orden stand damals wie heute für die uneingeschränkte Achtung der Würde jedes Menschen. Dies gehört zum Kern der Identität der Malteser. Und so sind mit den Maltesern bis heute große Namen von Persönlichkeiten verbunden, die sich dem NS-Regime widersetzten und teils für ihren Glauben ihr Leben ließen. Diese Tradition verpflichtet.