Erste Hilfe - auch für die Seele

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Lena Kirchner / Malteser

Wer kennt das nicht: Jemand im Bekannten- oder Familienkreis wirkt, als gehe es ihm innerlich nicht gut, verhält sich anders als gewohnt: zurückgezogen, reizbar, erschöpft, vielleicht orientierungslos. Auch in solchen Situationen zu helfen ist weniger schwierig, als manche vielleicht denken. Man kann sich recht einfach darauf vorbereiten. Die bayerischen Malteser bieten hierfür einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs an, der sich anschickt, ein Erfolgsmodell zu werden.

Ergänzung zum Erste-Hilfe-Kurs

„In unseren Erste-Hilfe-Kursen wurden wir immer wieder nach mehr Informationen und Rüstzeug gefragt, um psychisch belasteten Menschen helfen zu können“, berichtet Andrea Hirth, Ausbildungsreferentin der Malteser in der Erzdiözese München und Freising. Die Psychologin und Notfallsanitäterin hat wesentlich an der Entwicklung eines Kurses „Seel-E-H – seelische Erste Hilfe“ mitgewirkt, der in drei Stunden Basiswissen rund um das Thema seelische Gesundheit, psychische Belastungen und Stress vermittelt, den Teilnehmenden einen Handlungsleitfaden für die seelische Nothilfe an die Hand gibt und sie mit Mechanismen für die eigene mentale Stärkung und Widerstandfähigkeit vertraut macht.

Keine Selbsthilfegruppe

Wobei Hirth eine wichtige Unterscheidung betont: „Wir bieten hier keine Selbsthilfegruppe an, sondern eine Ergänzung zum Standard-EH-Kurs.“ Und entsprechend dem Erste-Hilfe-Format wird ausschließlich das unterrichtet, was Laien hier tun können. Daher ist dieser Kurs auch nicht für Menschen mit psychischen oder psychiatrischen Erkrankungen gedacht oder soll die viel weitergehende Ausbildung in Psychosozialer Notfallversorgung und Krisenintervention ersetzen.

Konkretes Wissen und einfache Schritte

Der Kurs vermittelt wertvolles Wissen darüber, was in Menschen in solchen Stress-Situationen vor sich geht, dass sie zum Beispiel alles um sie herum wie durch Watte wahrnehmen oder Ohnmacht und Kontrollverlust empfinden, möglicherweise begleitet von Wut, Angst oder auch Verharmlosung. Dazu bekommen die Teilnehmenden Tipps für hilfreiche Schritte in einer solchen Situation – wie etwa:

  • Selbstprüfung: Bin ich selbst in der Verfassung und habe ich die Zeit, hier zu helfen?
  • Ansprache – von sich ausgehen, damit die eventuell betroffene Person frei bleibt: „Ich habe das Gefühl, dass es ihnen gerade nicht so gut geht. Wenn sie darüber reden wollen – ich bin da.“
  • Einen geeigneten ruhigen Ort suchen und zuhören: Dem Gegenüber sozusagen eine Tür öffnen, damit es loswerden kann, was es gerade belastet.
  • Eine wieder positivere Selbstwahrnehmung anregen – etwa mit: „Sie werden nicht verrückt, sondern das ist eine Reaktion ihres Körpers und ihrer Psyche, um mit dem umzugehen, was gerade passiert ist. Das ändert sich auch wieder.“
  • Die eigenen Möglichkeiten klären und gegebenenfalls Menschen aus dem sozialen Umfeld oder Fachleute dazuholen.

Weitere Kurse 2026

„Nach der Pilotphase in diesem Jahr, in dem schon diverse Dienststellen in Bayern mitgemacht haben, wollen wir 2026 den Seel-E-H-Kurs bayernweit ausrollen“, schildert Andrea Hirth die Konsequenz aus der guten Nachfrage sowohl im offenen Format für jedermann als auch geschlossen beispielsweise für die Mitarbeitenden von Pflegeeinrichtungen. Und eine kleine inhaltliche Ergänzung durch Fallbeispiele und Rollenspiele ist ebenfalls schon in Planung.

Das Berliner Seminar

Erste Hilfe für die Seele hat auch das Malteser Bildungszentrum in Berlin im Programm und bietet dazu ab März 2026 ein Seminar in folgendem Format an:

  • 24 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten
  • Drei Präsenztage an aufeinanderfolgenden Samstagen
  • 14-tägige Selbstlernphase mit Methoden zur Selbstregulation
  • Abschlusstag zur gemeinsamen Reflexion und Evaluation
  • Mehr Informationen: malteser.link/EH_Seele_Berlin