Wärmebus

"So viel Menschlichkeit - das vergesse ich nie"

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Joachim Gies/Malteser

Es ist 13 Uhr, als der weiße Bus auf den Festplatz an der Horster Straße in Gladbeck rollt. Viele Besucherinnen und Besucher warten schon, darunter auch Kinder und Hunde. Manche sitzen auf Holzbänken unter einem Pavillon, andere stehen und reden. „Wir geben mehr als warmes Essen aus. Wir schaffen Zusammenhalt und menschliche Nähe“, sagt Sabine Prittwitz. Die Stadtgeschäftsführerin der Gladbecker Malteser ist seit Beginn beim Wärmebus dabei. Gemeinsam mit ihrem Mann Rainer, dem Stadtbeauftragten, und vielen Ehrenamtlichen sorgt sie dafür, dass Menschen in schwierigen Lebenslagen nicht vergessen werden. Viele Besucher kennen die Ehrenamtlichen längst beim Namen. „Wir duzen uns alle“, sagt Sabine.


Von der Improvisation zur Institution

Entstanden ist der Wärmebus während der Coronapandemie. Als die Tafel damals schließen musste, sprang das DRK ein, doch an Wochenenden blieb eine Lücke. „Da war klar: Wir müssen selbst etwas auf die Beine stellen“, sagt Rainer Prittwitz. „Am Anfang hatten wir nur einen mobilen Pavillon und Regenschirme. Heute steht hier ein richtiger Treffpunkt, entstanden aus Spenden“, sagt Jurastudentin Kathrin, die seit der ersten Stunde mithilft. Kathrin steht im Wärmebus und gibt Zwiebelfleisch mit grünen Bohnen und Spätzle aus. Nach dem Essen stellen sich alle für Lebensmittel und Hygieneartikel an. Eine Besucherin spielt den Song „Gerader Weg“ der Band Unantastbar auf ihrem Handy ab. Darin geht es um den Kampf einer Person mit innerer Unruhe und gesellschaftlicher Ablehnung. „Man muss manchmal schlucken“, sagt Sabine. „Die Menschen kommen mit persönlichen Problemen zu uns. Sie vertrauen uns.“ Viele sind im Methadonprogramm, manche kämpfen mit Alkoholproblemen oder familiären Sorgen. So wie Simone. Sie wohnt in der Nähe, im achten Stock, und ist seit zwei Jahren trocken. „Ich habe es selbst geschafft, ohne Klinik“, sagt sie stolz. Ihr Gesicht ist mit Tattoos und Piercings geschmückt, ein langer Daunenmantel hält sie warm. „Ich würde auch kommen, wenn es nichts zu essen gäbe.“ Simone ist froh, mit anderen reden zu können. Sie ist schwanger, in der dreißigsten Woche. Ihre beiden Kinder leben in Pflegefamilien, ihr Mann ist verstorben.

Für die Gemeinschaft

Auch Mike ist Stammgast. Er kommt mit einem alten, mit Klebeband geflickten Roller angefahren. Der 56-Jährige leidet an der chronischen Lungenerkrankung COPD und trägt einen Sauerstoffbehälter auf dem Rücken. „Früher war ich mit meiner Frau hier. Sie ist leider schwer krank“, sagt er. Immer wieder gibt es Momente, die unter die Haut gehen. „Beerdigungen kommen leider häufig vor. Als ein junger Mann gestorben ist, baten seine Eltern die Besucher, zur Beisetzung zu kommen“, sagt Sabine. In der kalten Jahreszeit, sagt sie, werden viele emotionaler. „Zur Adventszeit essen wir mit den Besuchern gemeinsam.“ Trotz schwerer Momente haben die Gladbecker keine Probleme, Ehrenamtliche für den Dienst zu finden. „Ich möchte etwas zurückgeben, und durch das Ehrenamt konnte ich auch mein Deutsch verbessern“, sagt Oksana. Sie kommt aus der Ukraine und hilft gemeinsam mit ihrem Mann.

Ein beliebtes Angebot

Es ist 14 Uhr. Ein Ehepaar aus der Gemeinde St. Johannes kommt mit einem Korb voller Schlafsäcke, Mützen und Isomatten vorbei. Sabine Prittwitz unterhält sich mit Simone über ihre Schwangerschaft, während sie die noch halb vollen Kisten zusammenräumt und in den Bus bringt. „Ich mag es, so nah an den Menschen zu sein – immer auf Augenhöhe“, sagt sie. „Dass das Angebot so gut angenommen wird, hätten wir nie gedacht.“

Nicht nur an kalten Tagen

Der Wärmebus der Malteser in Gladbeck ist seit vier Jahren jeden Samstag vor Ort. Neben Essen, Getränken und Hygieneartikeln gibt es Schlafsäcke, Isomatten, Kleidung und Spielzeug. Ähnliche Angebote gibt es inzwischen in mehreren Städten. Mehr über das Engagement der Malteser für Obdachlose und Bedürftige.