Unsere Projekte in Uganda

Der ostafrikanischen Binnenstaat Uganda gilt als eines der besser entwickelten Länder Afrikas. Das Land mit den Nachbarländern Tansania, Kenia, Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo, grenzt im Süden an den Victoriasee, den größten See Afrikas.

Politisch ist Uganda zwar stabil, wird jedoch seit gut 30 Jahren von ein und derselben Partei regiert, die sich sowohl autoritärer als auch demokratischer Elemente bedient. Dennoch brachte diese Regierung Uganda nach einem vorher über 20 Jahre dauernden Bürgerkrieg wirtschaftliche und politische Erholung.

Der Bürgerkrieg ist zwar lange Geschichte, die Auswirkungen belasten aber vor allem die Region im Norden des Landes bis heute stark. Hinzu kommen zehntausende Menschen, die aus den Krisenregionen der angrenzenden Länder, wie dem Südsudan oder der Demokratischen Republik Kongo, nach Uganda fliehen. Zwar ist es das offizielle Bestreben der Regierung, diesen Flüchtlingen zu helfen und sie im eigenen Land aufzunehmen. Allerdings fliehen diese Menschen oft in Regionen Ugandas, die selbst unter Dürren, Wassermangel und allgemeiner Strukturschwäche leiden. 

So helfen wir in Uganda

Wir sind bereits seit 1996 in Uganda aktiv. Vor allem kümmern wir uns um Flüchtlinge im Norden Ugandas, die aus den verschiedenen Krisenherden in Ugandas Nachbarländern in das Land strömen. Schwerpunktmäßig arbeiten wir in der Gesundheitsversorgung und sind darum bemüht, die Menschen in Uganda mit sauberem Trinkwasser und funktionierenden sanitären Einrichtungen zu versorgen. Unser engagierten Team im Regionalbüro in der Hauptstadt Kampala unterstütz zudem unsere Kollegen in der Demokratischen Republik Kongo, im Südsudan und in Kenia in allen Fragen, die die Logistik betreffen. 

Sauberes Wasser für Flüchtlinge

Seit Dezember 2013 wütet im Südsudan ein Bürgerkrieg, der von allen Beteiligten mit grausamer Härte geführt wird und eine humanitäre Katastrophe ausgelöst hat. Im Juli 2016 führte das Wiederaufleben alter Konflikte zu erneuten Ausbrüchen von Flüchtlingsströmen insbesondere nach Norduganda. Derzeit sind fast zwei Millionen Menschen Vertriebene in ihrem eigenen Land. Mehr als 400.000 Südsudanesen sind nach Uganda geflohen.

Im Norden Ugandas gibt es derzeit zu wenig Wasser. Nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch die Bevölkerung leidet unter dem Wassermangel. Malteser International setzt sich im Rhino Camp im Distrikt Arua, in Oraba und Kuluba im Distrikt Koboko und im Bidibidi Camp im Distrikt Yumbe vor allem für eine verbesserte Wasserversorgung der Flüchtlinge ein. Außerdem müssen die Hygienemaßnahmen an die wachsende Zahl von Flüchtlingen angepasst werden.

Situation

Auf Grund von einem erneuten gewaltsamen Ausbruch im Juli 2016 steigt auch die Zahl der nach Uganda fliehenden Südsudanesen kontinuierlich. Seit Juli sind mehr als 400.000 Südsudanesen nach Uganda geflüchtet. Uganda lebt eine bemerkenswerte Willkommenskultur für Flüchtlinge. Die Regierung weist den Südsudanesen eine Parzelle Land zu, wo sie ihre Hütten bauen und ein wenig Landwirtschaft betreiben können. Die Flüchtlingscamps wirken daher fast wie eine Ansammlung von Weilern.

Bei den Flüchtlingen handelt es sich vorwiegend um Frauen und Kinder. Die Männer sind meist im Südsudan zurückgeblieben, um sich um die Viehherden zu kümmern oder als Soldaten zu kämpfen. Angesichts der kontinuierlich wachsenden Zahl von Menschen und der großen Hitze in der Trockensavanne Ugandas ist sauberes Trinkwasser in ausreichender Menge eines der drängendsten Probleme. Unsauberes Trinkwasser ist ein Grund für viele Erkrankungen und muss daher vermieden werden. Außerdem muss gefördertes Wasser sicher gelagert werden, so dass es nicht außerhalb des Brunnens verschmutzt. Im Flüchtlingscamp sollen solarbetriebene Wasserverteilungen errichtet werden. Diese tragen dazu bei, dass mehr Menschen mit Wasser versorgt werden können. In weiteren Bereichen müssen noch Bohrlöcher gebohrt und die solarbetriebenen Wasserverteilungssysteme angeschlossen werden. Diese Systeme stehen dann nicht nur den Flüchtlingen, sondern auch der lokalen Bevölkerung zur Verfügung.

Die Wasserstellen ziehen Vieh und andere Tiere an, da sie meistens nicht umzäunt sind. Um gleichzeitig die Wasserstellen zu schützen und das Oberflächenwasser zu nutzen, sollen um die Wasserstellen (Nutz-)Gärten eingerichtet werden. Das dort angebaute Gemüse wird gleichzeitig das Nahrungsmittelspektrum der Menschen vergrößern.

Für viele Mädchen ist die persönliche Hygiene während der Menstruation eine Herausforderung. Dies führt dazu, dass viele Mädchen zu dieser Zeit nicht in die Schule gehen, oder sogar ganz abbrechen. In den Grundschulen werden alle Frauen im gebärfähigen Alter deswegen mit Seife, Unterhosen und wiederverwendbaren Binden ausgestattet. Die Lehrer werden in Menstruationshygiene geschult, so dass sie das Wissen an ihre Schüler weitergeben können und sich die Vorurteile verringern. Auch müssen an mehreren Schulen die Waschräume und Duschen ausgebaut werden.

Ziele

Versorgung von Flüchtlingen mit sauberem Trinkwasser sowie Verbesserung der Hygienesituation, mit besonderem Fokus auf Schülerinnen im gebärfähigen Alter, um während der Menstruation trotzdem am Schulunterricht teilzunehmen. 

Maßnahmen

  • Bohrung von Bohrlöchern, sowie Rehabilitierung von bereits bestehenden Bohrlöchern
  • Errichtung von solarbetriebener Wasserverteilung
  • Verteilung von Wasserkanistern zum sicheren Transport und Lagerung von Wasser
  • Ausgabe von Unterhosen, Seife und wiederverwendbaren Binden an Schülerinnen im gebärfähigen Alter
  • Anlage von Gärten: Bewässerung durch das Ablaufwasser an den Wasserstellen sowie Erweiterung des Nahrungsmittelangebots
  • Wiedereinsetzung von Wasser-Komitees zur Instandhaltung der Wasserstellen
  • Ausgabe von Solarlampen um die Sicherheit der Bewohner bei Nacht zu erhöhen

Projektinfos

Kinder aus Uganda freuen sich über den Brunnen

Wo: Rhino Camp im Distrikt Arua, in Oraba und Kuluba im Distrikt Koboko und im Bidibidi Camp im Distrikt Yumbe

Was: Sauberes Trinkwasser

Finanzierung: Bureau of Population, Refugees and Migration (PRM) und Spenden

 

 

Hilfe für Kinder mit Behinderung

In Uganda sind Menschen mit Behinderungen nach wie vor vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Insbesondere Kinder mit Behinderungen werden häufig versteckt, ausgesetzt oder in manchen Fällen sogar getötet. Mütter mit behinderten Kindern werden oft aus der Großfamilie ausgegrenzt. In vielen Fällen verlassen Männer ihre Familien wegen eines Kindes mit Behinderung. 

Der „Uganda National Household Survey“ erfasst Behinderung erst ab einem Alter von fünf Jahren. Somit werden alle Kinder unter fünf Jahren in der Umfrage nicht mit aufgenommen. Dennoch ist der Anteil  von Menschen mit Behinderung in Uganda sehr hoch.  Der Umfrage zufolge leben insgesamt 7,1 Prozent der Ugander mit einer Behinderung. Dies entspricht rund  2,1 Millionen Menschen.

Behinderungen häufen sich vor allem in den zahlreichen unterprivilegierten Gebieten und Regionen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Oft haben die Frauen keinen Zugang zu Schwangerenvorsorge oder es fehlt ihnen am nötigen Bewusstsein für Risiken. Auch Umweltgifte, unangemessene Medikamente, Malaria und andere Infektionskrankheiten können mitverantwortlich sein für Behinderungen.  

Situation

Bereits seit Anfang 2016 unterstützen wir die Mütterinitiative „HomeAidUs“ in Ugandas Hauptstadt Kampala. Mütter mit behinderten Kindern haben sich in einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen und betreuen im Wechsel 15 Kinder mit Behinderungen. Ausschließlich aus Spendenmitteln  tragen wir nicht nur die Kosten für Rollstühle, Orthesen und Hausmiete, sondern wir bringen die Kinder auch zu Spezialbehandlungen und schulen die Mütter in Einkommen schaffenden Maßnahmen. Die lokale Pfarrei unterstützt diese Initiative. Für therapeutische Anwendungen sorgt eine Physiotherapeutin, die sich seit Jahren ehrenamtlich für die Kinder engagiert.

Ziele

Es ist unser Ziel, die medizinische Versorgung und die Betreuung von Kindern mit Behinderung zu verbessern. 

Maßnahmen

  • Transport der Kinder zu medizinischen Spezialisten
  • Unterstützung der Gruppe in Managementfragen inkl. Anmietung eines Hauses
  • Training der Mütter in Einkommen schaffenden Maßnahmen
  • Monitoring durch das Malteser International Team in Kampala

Projektinfos

Die Kinder aus der Selbsthilfegruppe für behinderte Kinder in Uganda

Wo: Kampala

Was: Hilfe für Kinder mit Behinderung und ihre Mütter

Finanzierung: Spenden

Partner: HomeAidUs

Eine moderne Station für Geburtshilfe

Angesichts der noch immer recht hohen Mütter- und Säuglingssterblichkeit in Uganda hat Malteser International eine Partnerschaft mit einem der größten konfessionelle Krankenhäuser in Kampala, dem Lubaga Hospital, geschlossen, um die unzureichenden, veralteten und zu kleinen Strukturen der Geburtshilfestation des Krankenhauses zu modernisieren und zu erweitern. So schaffen wir für die Schwangeren, die Gebärenden und ihre Neugeborenen eine den modernen Hygiene- und Pflegestandards entsprechende Umgebung.

Zudem konzentrieren wir uns auf eine ganz spezielle Risikogruppe unter den Neugeborenen: Neugeborene mit Sichelzellenanämie. Die Sichelzellanämie ist eine der weltweit am häufigsten vorkommenden Erbkrankheiten. Sie ist eine chronische Erkrankung der roten Blutkörperchen, welche oft verklumpen und zu schmerzhaften Komplikationen und zu Gefäßverstopfungen mit Infarkten führen. Unbehandelt erleben die meisten Kinder noch nicht einmal ihren fünften Geburtstag. Wenn die Krankheit frühzeitig erkannt und fachgerecht behandelt wird, können eine Reihe schwerer Komplikationen vermieden werden.

Situation

Das Lubaga Hospital ist eines der größten und ältesten konfessionellen Krankenhäuser in Kampala. Es liegt in Lubaga Division, einem sehr dicht und auch von vielen Migranten besiedelten Stadtteil mit großen Slumgebieten.

Die vorhandenen staatlichen Strukturen sind angesichts der Größe der Stadt völlig unzureichend. Daher ist das Lubaga Hospital, das zudem seine Preise sehr sozialbewusst gestaltet, für viele Bewohner der einzige Ort, um sich im Krankheitsfall untersuchen und behandeln zu lassen. Der Zulauf an Patienten ist sehr groß und sprengt oft die räumlichen Möglichkeiten. In der Geburtshilfe-Abteilung kommen jährlich mehr als 6.000 Kinder zur Welt.

Schon seit längerem unterhält Malteser International eine Partnerschaft mit dem Krankenhaus. Angesichts der immer noch hohen Mütter- und Säuglingssterblichkeit und der unzureichenden, veralteten und zu kleinen Strukturen der Geburtshilfe unterstützen wir die Leitung des Krankenhauses dabei, die Geburtshilfe-Abteilung zu renovieren, zu modernisieren und zu erweitern sowie die Ausstattung und Hygiene zu verbessern.

Ziele

Es ist unser Ziel, die Mütter- und Kindersterblichkeit vor, während und nach der Geburt zu senken und die Möglichkeiten zur Diagnose und Behandlung von Sichelzellanämie in einem sozialen Brennpunkt Kampalas zu verbessern. Zu diesem Zweck wollen wir für die Schwangeren, Gebärenden und Neugeborenen eine den modernen Hygiene- und Pflegestandards entsprechende Umgebung schaffen und die stationäre Versorgung von Müttern und Kindern sowie die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten für an Sichelzellanämie erkrankte Kinder verbessern.

Maßnahmen

  • Renovierung, Neustrukturierung, Modernisierung und Erweiterung des Gebäudes
  • Aufstockungen im technischen Gerätepark
  • Überarbeitung der Hygieneprozesse
  • Fortbildung des Personals
  • Installation eines Hb-Elektrophoresegerätes, das eine Diagnose der Sichelzellanämie bereits bei der Geburt ermöglicht
  • Einrichtung einer Spezialsprechstunde für alle diagnostizierten Kinder und deren Mütter bzw. Eltern

Projektinfos

Mutter aus Uganda mit ihrem Neugeborenen auf dem Arm

Wo: Kampala

Was: Station für Geburtshilfe

Finanzierung: Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit, Lubaga Krankenhaus und Spenden

Partner: Lubaga Hospital