Dürre in Kenia: Der Kampf ums Überleben

Kenia ist derzeit von einer gravierenden Dürreperiode betroffen. Seit eineinhalb Jahren hat es im Norden Kenias nicht mehr genug geregnet, die letzte Regenzeit fiel komplett aus, die beiden vorherigen lagen weit unter dem Durchschnitt. Die Folge: Ein gravierender Wassermangel zeichnet sich ab. In Kenia spricht man von 2,7 Millionen betroffenen Menschen, die auf Lebensmittelhilfe und Wasser angewiesen sind. Der Präsident von Kenia Uhuru Kenyatta hat aus diesem Grund am 10. Februar den nationalen Notstand ausgerufen.  

Das Phänomen, welches sich über weite Teile Ostafrikas erstreckt, wird von den Vereinten Nationen als Auswirkung von La Niña betrachtet. Außerdem ist die Dürre eine Folge des Klimawandels, der sich hier bemerkbar macht. 

In Illeret Ward, einem der abgelegensten Winkel des Landes an der Grenze zu Äthiopien, sind annähernd alle der 23.000 Viehnomaden von Hunger betroffen. 70% der Wasserquellen sind versiegt, 50% des Viehs, welches die einzige Lebensgrundlage der Menschen vor Ort bildet, ist verdurstet. Die verbleibenden Tiere geben keine Milch mehr. Anbau ist in dem Gebiet nicht möglich.

Unsere Mitarbeiter vor Ort beobachten immer mehr Menschen, die tagelang nichts mehr gegessen haben und sich nicht mehr auf den Beinen halten können. Vor allem Kinder und alte Menschen sind betroffen.

Malteser International verteilt Wasser in den abgelegenen Siedlungen und unterstützt die Gesundheitsstation vor Ort bei der Durchführung von Feldbesuchen, um stark unterernährte Kinder zu identifizieren und sie mit Spezialnahrung zu versorgen.

Auch unsere lokale Partnerorganisation PACIDA unterstützen wir bei der Verteilung von Lebensmittelrationen an die betroffenen Familien.  

Bilderstrecke: Dürre in Kenia

Mann hält durch die Dürre in Kenia verendete Ziege in der Hand
Ein Mann sitzt kraftlos durch Hunger vor seiner Hütte in Kenia
© Fotograf/in: PACIDA/Malteser International
Frau aus Illeret hält ihr hungriges Baby auf dem Arm
Zwei alte Menschen sind durch fehlende Nahrung in Kenia abgemagert
© Fotograf/in: PACIDA/Malteser International
Mehrere tote Ziegen liegen auf dem ausgetrockneten Boden in Kenia
Kind ist im Dreck vor Schwäche eingeschlafen
© Fotograf/in: PACIDA/Malteser International
Menschen bekommen Wasser in Kenia

Interview zur aktuellen Dürre in Kenia

Anne Hild, Länderreferentin für Kenia bei Malteser International, schildert die aktuelle Situation der betroffenen Menschen in Illeret Ward

Woran fehlt es den Menschen in Illeret Ward derzeit am meisten?
Am dringendsten brauchen die Menschen Lebensmittel und Trinkwasser. Hier geht es um eine Frage des Überlebens. Jeder Tag zählt.

Einige Menschen sind allerdings schon so geschwächt, dass normale Nahrung nicht mehr ausreicht, um zu einem normalen Leben zurückzukehren. Sie brauchen spezielle Zusatzernährung.

Anne Hild Länderreferentin Afrika

Was steht den Menschen aktuell für das Überleben zur Verfügung? Wovon ernähren sie sich? Wo bekommen Sie Wasser her?
Die Menschen, deren Siedlungen in der Nähe des Turkanasees liegen, sind dazu übergegangen, das salzige und für den Konsum eigentlich nicht geeignete Seewasser zu trinken. Die restlichen Siedlungen versorgen sich notdürftig von den verbliebenen 30 % der Wasserquellen. Auf Lasttiere zum Transport des kostbaren Gutes können sie kaum noch zurückgreifen.

Was Lebensmittel betrifft, ist die Lage desolat. Obwohl Lebensmittel wie Mais, Bohnen, Reis und mehr auf dem Markt zu haben sind, haben die Menschen keinen Zugang. Sie können ihr Vieh nicht mehr verkaufen, weil die Ziegen und Schafe, welche noch überleben, in einem erbärmlichen Zustand sind, und die Märkte kollabiert sind. Die Tiere sind nicht mehr zum Verzehr geeignet, und die Menschen haben kein Geld, um Lebensmittel zu kaufen. Viele von ihnen haben schon tagelang nichts mehr gegessen und trinken nur noch Tee.

Die Menschen trinken aktuell das salzige Wasser aus dem Turkana See. Welche Folgen hat dies?
Salzhaltiges Wasser schädigt auf Dauer Leber und Nieren und kann eine toxische Wirkung haben. Um die erhöhte Salzkonzentration außerhalb der Zellmembranen auszugleichen, wird den Zellen das Wasser entzogen. Wird dem Körper anschließend nicht ausreichend Wasser hinzugeführt, kommt es zu Durchfall und Erbrechen und kann sogar zum Tod infolge von Herz- und Atemstörungen führen. Die durch Unter- und Mangelernährung geschwächten Körper sind potentiell noch einmal anfälliger für solche Schädigungen.

Wie kann geholfen werden? Was ist aktuell am dringendsten zu tun?
An erster Stelle steht Nahrung, und auch die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist dringlich. Malteser International ist mit seiner Partnerorganisation vor Ort. So schnell es uns möglich ist und wir finanzielle Unterstützung bekommen, werden wir unser Nothilfeprogramm starten und den Menschen helfen.

Sind Hilfsorganisationen vor Ort, um den Menschen zu helfen und die aktuelle Notlage zu verbessern? 
Malteser International ist die einzige Hilfsorganisation, die in dieser abgelegenen Region präsent ist. Wir haben vor Ort, in Koordination mit der lokalen Regierung, eine Erhebung zu Lage und Bedarf durchgeführt und begleiten derzeit die Gesundheitsstation bei monatlichen Feldbesuchen in 13 Siedlungen, in denen die jeweils schlimmsten Fälle unterernährter Kinder ausfindig gemacht und mit Zusatznahrung versorgt werden konnten. Die Zusatznahrung wird über Concern Subcountyweit zur Verfügung gestellt. In Illeret Ward erreichen wir damit etwa 410 unterernährte Kinder im Monat. 

Das Rote Kreuz hat im Dezember eine Erhebung durchgeführt und plant laut lokalen Vertretern in den nächsten Wochen mit Cash Transfer von rund 30 EUR an je 600 Familien zu beginnen.

Die Regierung hat nach dem Besuch des Präsidenten  in Marsabit Lebensmittel, jedoch keinen Transport zur Verfügung gestellt. Ob, wann und wieviel der Hilfslieferung den Weg von der Distrikthauptstadt in das 2 Tagesfahrten entfernte Illeret schafft, ist nicht gewiss.