Unsere Arbeit in Kenia

Die jüngsten Anschläge von internationalen Terrorgruppen wie Boko Haram und al-Shabaab haben Kenia in eine tiefe Krise gestürzt: Die Bevölkerung ist zutiefst verunsichert, viele Menschen fliehen aus ihrer Heimat in andere Regionen des Landes. Durch die schwelende Bedrohung sind zudem die Einnahmen durch den Tourismus, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land, um bis zu 90 Prozent eingebrochen. Hinzu kommt, dass das zu großen Teilen von der Landwirtschaft abhängige Land in der Vergangenheit von schlimmen Dürren betroffen war, die sich durch den Klimawandel noch häufen und verschärfen werden.

Schon jetzt ist die Wasserversorgung der Bevölkerung völlig unzureichend und auch die hygienischen Bedingungen, unter denen die Menschen leben müssen, sind oft katastrophal. Ein funktionierendes Gesundheitssystem gibt es für die mehr als 46 Millionen Einwohner ebenfalls nicht. 43 Prozent der Bevölkerung Kenias leben jetzt schon unter der Armutsgrenze. Der Vielvölkerstaat ist durch viele Flüchtlinge und intern Vertriebene und daraus resultierende Konflikte zwischen ethnischen Gruppen höchst instabil. 

Schutz für Benachteiligte und Behandlung von HIV/Aids und Tuberkulose

Seit 2001 liegt ein besonderer Schwerpunkt unserer Hilfe liegt auf der Diagnose, Behandlung und Prävention von Tuberkulose und HIV/AIDS. Dabei konzentrieren wir uns besonders auf benachteiligte Gruppen in den Slums von Nairobi und die Massai, eine ostafrikanische Bevölkerungsgruppe. Seit der großen Dürre von 2011 engagieren wir uns auch im wüstenhaften Norden des Landes, um die dort ansässige halb-nomadische Bevölkerung besser auf zukünftige und durch den Klimawandel verstärkte Dürreperioden vorzubereiten.

Anpassung an den Klimawandel

Wassermangel ist ein riesiges Problem für die halbnomadisch lebende Bevölkerung in den Regionen Illeret und Hurri Hills, die sich in Marsabit County, im Norden Kenia, befinden. Es gibt das ganze Jahr über nur wenig Regen und dazu noch Trockenzeiten, in denen es überhaupt nicht regnet. Gerade erlebt die Region, wie große Teile Ostafrikas, eine dramatische Trockenzeit. Seit über einem Jahr hat es nicht mehr richtig geregnet, Wasser und Nahrung werden knapp. Landwirtschaft können die Menschen dort schon lange nicht mehr betreiben, ihre Lebensgrundlage, die Viehhaltung, wir auch zunehmend schwieriger. Auch das Vieh ist auf Wasser und Futter angewiesen, gibt es dies nicht, so verenden die Tiere und damit die wichtigste Nahrungsquellen der Menschen in dem Gebiet. 

Die immer dramatischeren Dürren, die durch den Klimawandel und das Klimaphänomen El Nina noch verstärkt werden, stellen die Bevölkerung also vor enorme Herausforderungen. Die Halbnomaden in den Regionen unseres Projektes sind eine Bevölkerungsgruppe, die in Kenia stark ins gesellschaftliche Abseits geraten ist und an den ökonomischen Möglichkeiten, wenn auch nur spärlich vorhandenen, wenig bis gar nicht teilhaben kann.

Neben dem akuten Wassermangel ist die nachhaltige und ressourcenschonende Bewirtschaftung des Landes ein großes Problem der Bevölkerung. In der Vergangenheit wurde aufgrund mangelnden Wissens und aus der Not heraus viel Raubbau an der Natur betrieben. Übermäßige Abholzung des ohnehin spärlichen Waldes und eine Überweidung der Flächen standen an der Tagesordnung. Waldbrände und Wildfeuer taten ihr übriges. Das Ökosystem in der Region wurde dadurch stark belastet und brach zeitweise völlig zusammen.

Durch unsere Arbeit möchten wir zum einen die halbnomadischen Bevölkerungsgruppen auf die klimatischen Veränderungen  vorbereiten, in dem die Nutz- und Trinkwasserversorgung angepasst wird. Außerdem stärken wir das Bewusstsein für natürliche Ressourcen und fördern den Schutz einheimischer Baumarten auf Pilotflächen als Beitrag zum Klimaschutz. Damit soll die Abholzung eingedämmt, die Überweidung begrenzt und letztlich die biologische Vielfalt der Region gesichert werden.

Die Bevölkerung für die Anforderungen des Klimawandels sowie für eine schonende und nachhaltige Bewirtschaftung ihres Landes zu sensibilisieren ist das große Ziel dieses Projektes. Dazu führen wir Kampagnen und Trainings mit den Menschen durch, um das Verständnis für diese wichtigen Themen zu schaffen und zu fördern. Weiterhin ist die Speicherung des knappen Wassers ein großes Thema. Dazu erhöhen wir die Speicherkapazitäten für Wasser und sorgen dafür, dass die Versorgung der Haushalte mit Nutz- und Trinkwasser an die durch den Klimawandel veränderten Bedingungen angepasst wird. 

Um dem Raubbau an der Natur etwas entgegenzusetzen und die Abholzung der spärlichen Vegetation zu stoppen führen wir emissionsarme und effiziente Kochherde ein. Außerdem steht eine Aufforstung eines großen Teils des Gebietes auf dem Programm: Wir bepflanzen 17 Morgen Land mit einheimischen Pflanzen und Baumarten.

Projektinfos

Kinder in der Wüste Kenias

Wo: Illeret und Hurri Hills in Marsabit County

Was: Stärkung gegenüber Dürren

Ziele: 

  • Vermittlung von Wissen uns Strategien zur Anpassung an den Klimawandel
  • Schaffen von Bewusstsein für ressourcenschonendes Wirtschaften 
  • Erhöhung der Kapazitäten der Wasserspeicherung 
  • Aufforstung des Gebietes

Vorbereitung auf die nächste Dürre

Der Bezirk Illeret liegt im Norden Kenias, einer Region, die schwer zugänglich ist und rund drei Tagesreisen von der Hauptstadt Nairobi entfernt ist. Die Region an der Grenze zu Äthiopien ist nur schwer zugänglich und deshalb von der Regierung stark vernachlässigt. Die Ressourcen in der Region schwinden immer weiter und der Klimawandel zeigt hier eine seine stärksten Auswirkungen weltweit: Immer wieder suchen schwere Dürren die Region heim und sorgen für widrige Lebensumstände für Mensch und Tier. Die Region ist im Gegensatz zu den Großstädten des Landes zwar dünn besiedelt, doch kommt es hier in den letzten Jahren zu einem enormen Bevölkerungswachstum. 

Der Stamm der Dassanach, der im Fokus dieses Projektes steht, zählt rund 15.000 Menschen, die als Halbnomaden in der Region leben. Sie leiden enorm unter dem Wassermangel und dem daraus resultierenden Mangel an Nahrung. Doch das ist nicht das einzige Problem: Die Menschen haben für das wenige Wasser, das ihnen zur Verfügung steht, keine Strategien um es zu speichern und vor Verschmutzungen zu schützen. Viele Haushalte beziehen ihr Trink- und Nutzwasser aus verunreinigten Quellen und bewahren es dann in schmutzigen Gefäßen wie zum Beispiel Ölkanistern auf. Dies führt zu vielen Durchfallerkrankungen, gerade bei Kinder. 

Wir helfen der Bevölkerung mit Schulungen, in denen die Menschen lernen, wie sie Regenwasser sammeln und als Trinkwasser nutzbar machen können, wie sie es hygienisch lagern können und wie sie sich vor den schlimmsten Auswirkungen langer Dürreperioden selbst schützen können. 

Nach der letzte schweren Dürre 2011 haben wir zusammen mit der Bevölkerung lokale Behörden Schwerpunkte für die weiteren Hilfs- und Schulungsmaßnahmen entsprechend den Bedürfnissen der Menschen in der Region entwickelt. Neben der Wasserversorgung sollen vor allen Dingen die Verbesserung im Umgang mit Hygiene sowie ein Ausbau der Bildungsmöglichkeiten und des Ausbildungswesens in Angriff genommen werden.

Zu den konkreten Maßnahmen, die zur Erreichung dieser Ziele ergriffen wurden gehören neben dem Bau von Sammelsystemen für Regenwasser in Pirvathaushalten und öffentlichen Gebäuden wie Schulen auch Trainings zum richtigen hygienischen Umgang mit (Trink-)Wasser. Wir nehmen regelmäßige Proben des Wassers und testen dieses auf Verunreinigungen. Um diese nachhaltig zu vermeiden unterstützen wir außerdem den Bau von Latrinen und Brunnen. Nicht zuletzt unterstützen wir das Schul- und Ausbildungswesen in der Region, um die Menschen auch ökonomisch zu unterstützen und sie aus ihrer Isolation und Ausgrenzung zu holen. 

Projektinfos

Junge aus Kenia hält eine Tasse in der Hand

Wo: Illeret

Was: Sauberes Trinkwasser

Ziele: 

  • Bessere Qualität des Trinkwassers
  • Verbesserung der Strategien zur Lagerung von Trinkwasser
  • Stärkung der Menschen in Hinblick auf wiederkehrende Dürreperioden 

 

 

Aktuelles aus dem Dürre-Projekt

Kampf gegen Tuberkulose in Kenia

Mehr als die Hälfte der Einwohner von Kenias Hauptstadt Nairobi leben in Slums. Sie sind Tagelöhner und haben demnach kein geregeltes Einkommen. Dies, und der immer noch sehr ausgeprägte Glaube an traditionelle Heilmethoden zählen zu den wichtigsten Faktoren für die schlechte Gesundheitsvorsorge der Menschen. 

Hinzu kommt eine extrem hohe Rate an Infektionen mit HIV, die das Immunsystem der Betroffenen stark schwächen. Durch die außerdem sehr beengte Wohnsituation in den Slums, wo die Menschen Hütte an Hütte wohnen, ohne sauberes wasser und nur mit mangelhafter Belüftung, können sich Infektionskrankheiten wie Tuberkulose leicht verbreiten. 
Auch in Kenia gibt es zwar eine Meldepflicht für Tuberkulose, doch die Menschen sind zu wenig informiert über die Krankheit. Außerdem werden Betroffene oft diskriminiert und ausgestoßen. Deswegen liegt die Dunkelziffer der Erkrankungen sehr hoch. Man rechnet damit, dass weniger als jeder zehnte Tuberkulosefall tatsächlich gemeldet wird. 

Dabei ist Tuberkulose grundsätzlich heilbar. Um eine Heilung zu erreichen, müssen die Patienten über einen Zeitraum von rund einem halben Jahr regelmäßig mit Antiobiotika therapiert werden. Wird die Behandlung eher abgebrochen, können resistente Erreger entstehen und die Krankheit kann nur noch schwer behandelt werden.  

Um dies zu vermeiden, setzten wir in diesem Projekt vor allem auf Aufklärung. So soll die Anzahl der gemeldeten Fälle von Tuberkulose steigen, infizierte Menschen und insbesondere Kinder identifiziert und zu einer umfassenden Therapie motiviert werden. Dadurch sollen die Neuinfektionen mit Tuberkulose sinken und die Bildung neues Resistenzen vermieden werden. 

Diese Aufklärung findet vor allem in Veranstaltungen und in den Hütten der Menschen vor Ort statt, aber auch durch die Verbreitung von Informationen über Radiospots. Zusätzlich zu einer umfassenden Therapie werden Menschen, die bereits mit Tuberkulose infiziert sind, hinsichtlich Gesundheits- und Hygienemaßnahmen sowie Ernährung von uns beraten. 

Projektinfos

Krankenschwester aus Kenia spricht mit Patientin

Wo: Nairobi, Kenia

Was: Kampf gegen Tuberkulose

Ziele

  • Meldungen von Tuberkulose erhöhnen
  • Erfolgsquote der Behandlungen steigern
  • Abbrecherquote verringern
  • Aufklärung über Tuberkulose und die Behandlung
  • Langfristig weniger Tuberkulosefälle

Kenia: mit eBooks lesen und schreiben lernen

Die Lebensweise der halbnomadischen Stämme der Gabra und Borana im Norden Kenias war bisher ideal an die klimatischen und geografischen Bedingungen ihrer Heimat angepasst. Das Gebiet Hurri Hills liegt kurz vor der Grenze zu Äthiopien auf 1500m Höhe. Regen gibt es hier wenig, die Menschen haben immer wieder mit langen Dürreperioden zu kämpfen. Allerdings haben dich die Bewohner bestmöglich damit arrangiert: Sie betrieben einfache Landwirtschaft, ihre Lebensgrundlage bildete allerdings die Viehzucht.  

Doch diese (Über-)Lebensstrategien funktionieren nicht mehr: Aufgrund des Klimawandels werden die Dürreperioden immer länger. Das Vieh kann nicht mehr ausreichend ernährt werden. Die Tiere werden anfälliger für Krankheiten. Viele sterben. 

Auch die Anforderungen der modernen, digitalen Gesellschaft stellen die Nomaden vor extreme Herausforderungen. Sie sind gewohnt, autark und ohne Geld zu leben. In den meisten Stämmen liegt die Quote der Analphabeten bei rund 90%. Doch ganz ohne Geld und die Fähigkeit zu Lesen und Schreiben ist eine Existenzsicherung nicht mehr möglich. Bisher führte ihre Unerfahrenheit dazu, dass sie auf Märkten ihr Vieh und ihre Waren für zu wenig Geld verkaufen und im Gegenzug dazu für alles, das sie benötigen, zu viel zahlen.

Mit den Lernprogrammen unseres Partners up4change die auf ihre Erfahrungen und Bedürfnisse angepasst sind, können sie jetzt lernen, sich in die moderne Gesellschaft einzugliedern und so mehr Teilhabe an der Gesellschaft und Wirtschaft erlangen. Dazu bekommen die Menschen jeweils 7-tägige Schulungen in Kleingruppen, in denen Sie den Umgang mit den Tablets, Ladegeräten und der Software erlernen. Die "Schüler" werden dann zu Lehrern und werden als "Barfußlehrer" eingesetzt, um wiederum die Nachbardörfer zu Alphabetisieren. Dazu bekommen sie mit speziellen iPads, die eine spezielle Schutzhülle haben und die mit Akkus ausgestattet sind, die mit Solarenergie betreiben werden. 

Außerdem wird im Rahmen des Projektes ein Internetkiosk eingerichtet, der den Menschen als Einnahmequelle dient und der mit Satelliteninternet und Solarstrom versorgt wird.

Projektinfos

Massai Frau aus Kenia mit eBook auf den Knien

Wo: Hurri Hills

Was: Alphabetisierung mit eBooks

Ziele:

  • 300 Frauen und Männer sollen lesen, schreiben und rechnen lerne
  • Vermittlung marktwirtschaftlicher Prinzipien
  • Ausbildung von Frauen und Nomadenkriegern zu BarfußlehrerInnen
  • Errichtung einer Internetkioskes mit Satelliteninternet und Gütern des täglichen Bedarfs

Mit dem Handy für die Geburt sparen

Schwangere Frauen in den Slums von Nairobi haben oft keine Möglichkeit, ihr Kind unter ärztlicher Aufsicht und in einer sicheren uns hygienischen Umgebung auf die Welt zu bringen. Vor- und Nachsorgeuntersuchungen sind völlige Utopie für die meisten. Die staatlichen Geburtskliniken liegen weit außerhalb der Stadt und sind für die meisten unerreichbar, die Privatkliniken in der Nähe können sich die Tagelöhner und Gelegenheitsarbeiter nicht leisten. 

Statt also in die Privatkliniken zu gehen, in denen eine normal verlaufende Geburt umgerechnet rund 90€ kostet, entbinden die meisten Frauen unter gefährlichen Umständen Zuhause im Elendsviertel ohne Begleitung eines Arztes oder einer Hebamme. Der unregelmäßige und niedrege Lohn der Familien reicht einfach nicht aus, um die Geburt zu bezahlen, schon gar nicht auf ein Mal. Auch fällt es den Familien oft schwer, Geld zu sparen, da oft zeitkritischere Ausgaben getätigt werden müssen und die Geburt ins Hintertreffen gerät. 

Dadurch ist die Anzahl von Komplikationen unter der Geburt und sogar Todesfällen extrem hoch: Von rund 100.000 Geburten im Jahr in Nairobi kam es 2014 zu 212 Todesfällen. In den Slums liegt diese Anzahl aber wohl weitaus höher. 

Um den Frauen eine sichere Geburt zu ermöglichen wurde in zehn Gesundheitszentren das System M-Afya eingeführt, was auf Deutsch "mobile Gesundheit" bedeutet. Dieses System ermöglicht es den Frauen, digital Geld anzusparen. Die Frauen, ihre Partner und andere Familienmitglieder können dann zum Beispiel wöchentlich, aber auch in unregelmäßigen Abständen und ganz flexibel kleine Beträge zurücklegen und so bis zum Zeitpunkt der Geburt das für die medizinische Begleitung benötigte Kapital ansparen. Zusätzlich erinnert das System sie an Vorsorgeuntersuchungen und andere wichtige medizinische Termine. 

In Online-Foren und Social Networks, in denen ausgebildete Gesundheitshelfer aktiv sind, leisten diese Unterstützung, rufen zu Vorsorgeuntersuchungen auf und stehen den Frauen bei Fragen rund um die Geburt und zu Mutter-Kind-Gesundheit mit Rat und Tat zur Seite. Außerdem wird medizinisches Personal von uns in Geburtshilfe geschult und bekommt spezielle Trainings für Nothilfe und für die Bewältigung der steigenden Nachfrage von Geburtshilfe.

Projektinfos

Baby aus Kenia auf dem Arm der Mutter

Wo: Slums von Nairobi

Was: Sichere Geburten durch Sparen mit dem Handy

Ziel:

  • Erleichterung der Nutzung von medizinischen Diensten rund um die Schwangerschaft für werdende Mütter im Slum Embakasi in Nairobi.
  • Ermöglichen von Geburten unter medizinischer Aufsicht für alle Frauen.