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Katastrophenschutz für Menschen mit Behinderung

"Als die letzte große Überschwemmung kam, hatte ich große Angst. Meine Eltern mussten mich auf den Dachboden tragen. Doch das Wasser kam immer näher. Aber wegen meines Rollstuhls und weil es keine rechtzeitige Warnung gab, hatten ich und meine Familie keine Möglichkeit zu fliehen." Der zwölfjährige Danh aus Vietnam erzählt immer noch voller Schrecken von der letzten großen Überschwemmung, die über das Dorf hereinbrach, in dem er lebt. So etwas wie damals kann jetzt nicht mehr passieren, denn der kleine Danh ist jetzt Katastrophenschützer – ausgebildet von uns und mit dem Schwerpunkt für inklusiven Katastrophenschutz. 

Mehr als 6 Millionen Menschen in Vietnam leben mit Behinderungen. Darunter sind viele Kinder und Jugendliche, die aufgrund des Einsatzes des dioxinhaltigen Entlaubungsmittels Agent Orange durch die Amerikaner während des Vietnamkrieges immer noch mit Fehlbildungen zur Welt kommen. Der Einfluss des Mittels auf die Menschen und gerade auch auf Ungeborene zieht sich nun schon bis in die dritte Generation. Den Alltag zu bewältigen ist für diese Menschen besonders schwierig: Inklusion ist in Vietnam trotz der vielen Kriegsversehrten und Agent-Orange-Opfer kein großes Thema. 

Katastrophen schutzlos ausgeliefert

Menschen mit Behinderung können sich in Vietnam selten ohne Hilfe durch Städte oder Dörfer bewegen, ihre Bildungschancen sind schlechter und staatliche Hilfen oder Entschädigungen für Agent-Orange-Opfer sind gering oder überhaupt nicht vorhanden. Besonders deutlich werden die mangelhaften Bemühungen um Inklusion im Katastrophenfall. Stürmen, Flutwellen oder Überschwemmungen sind Menschen mit Behinderung in Vietnam oft schutzlos ausgeliefert. Vietnam ist eines der Länder, die bereits am meisten mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen haben, Unglücke dieser Art häufen sich also in den letzten Jahren. Bei der letzten Überschwemmung konnten Danh und seine Familie sich zwar auf den Dachboden retten, aber über 150 Menschen in der Umgebung starben, unter ihnen viele Menschen mit Behinderungen. "Es gab keine Warnsysteme und die Menschen wussten auch zum Beispiel nicht, dass ich mit meinem Rollstuhl nicht durch Dreck und Schlamm fahren kann. Oder dass Menschen ohne Gehör die Sirenen nicht hören, wenn es denn welche gibt", berichtet Danh von der Situation vor dem Katastrophenschutztraining. 

Trainings in inklusivem Katastrophenschutz

Damit das nicht mehr passieren kann, führen wir Trainings in rund 67 Dörfern durch, bei denen die Teilnehmer alles über inklusiven Katastrophenschutz lernen. In den Trainings entwickeln wir Pläne zur Evakuierung, die Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen berücksichtigen. Und wir gründen Teams zur Katastrophenvorsorge. Einem solchen Team gehört Danh nun an. "Wir kümmern uns um die Frühwarnung aller Dorfbewohner und helfen alten Menschen oder Menschen mit Behinderungen bei der Evakuierung. Alle ziehen an einem Strang, egal ob mit Behinderung oder ohne!" Außerdem bekommen die Menschen eine Ausbildung als Rettungshelfer und werden mit Erste-Hilfe-Koffern und Rettungswesten ausgestattet. 

Keine Angst mehr vor Stürmen, Fluten und anderen Katastrophen

"Endlich muss ich keine Angst mehr haben, wenn mal wieder ein Unwetter über das Dorf hereinbricht. Ich weiß, dass ich und meine Familie genau wie die anderen Dorfbewohner rechtzeitig gerettet werden können. Das gibt mir große Sicherheit! Und dieses Gefühl möchte ich gerne teilen. Also, wer auch immer etwas zum Thema Katastrophenschutz wissen möchte, kann sich gerne an mich wenden. Ich weiß über alles Bescheid und teile mein Wissen gerne, damit möglichst viele Menschen sicher leben können – egal ob mit Behinderung oder ohne!" 


Bilder vom Katastrophenschutztraining in Vietnam

                                                                                            Fotos: Guilhem Alandry/Malteser International

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