Jahresthema

Pilger der Hoffnung…

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Susann Schuster/Unsplash

Wenn ich mit verschiedenen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch darüber komme, was die Malteser als Arbeitgeber und Organisation ausmacht, dann beschreiben einige, dass sie sich wohlfühlen, weil die Menschen, ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende, Gäste, Patienten, Hilfesuchende, gemeinsam unterwegs sind; sie spüren Zusammenhalt, und in den vielen unterschiedlichen Bereichen und Diensten wird aktiv etwas gegen die Nöte vor Ort und in der Welt unternommen.

Aber was hat das nun mit dem Jahresthema der Malteser zu tun? Wo kommt dieses Thema her und was gibt es für unterschiedliche Anknüpfungspunkte für Sie ganz persönlich?

Leitmotiv, das ermutigen soll

Das Jahresthema der Malteser, das vom Geistlichen Zentrum jährlich für den gesamten Verbund als eine Art Leitmotiv entworfen wird, soll alle Malteser ermutigen, diesem Thema bei Zusammenkünften, Seminaren, Lehrgängen und Zeltlagern sowie in der täglichen Arbeit nachzugehen. Manchmal sieht man Plakate in der Dienststelle hängen oder begegnet dem Thema bei Veranstaltungen.

2025 heißt dieses Jahresthema der Malteser „Pilger der Hoffnung“. Es ist das Motto, das Papst Franziskus für das „ordentliche“ Heilige Jahr – dieses findet alle 25 Jahre statt – gewählt hat. Er hat alle Christen eingeladen, einander und Christus zu begegnen. Wahrscheinlich können Sie in ihren Gemeinden und an Ihren persönlichen Glaubensorten diesem Thema in verschiedenen Aktionen begegnen, denn weltweit wird es in den Kirchen präsent sein.

Gleichzeitig ist das Heilige Jahr das Jubiläum eines wichtigen Gebets, nämlich dem Glaubensbekenntnis von Nizäa – Konstantinopel, das die Bischöfe der frühen Kirche nach langem Ringen vor 1.700 Jahren verfasst haben. In diesem Text geht es um die Bezeugung des Glaubens. In Kernsätzen werden die wesentlichen Punkte des Christentums ausgedrückt.

Daraus ergeben sich viele Anknüpfungspunkte für unser alltägliches Leben und vor allem Themen, die Sie in diesem Jahr begleiten können.

Pilger sind Menschen, die in der Fremde unterwegs sind

Als Pilger gibt es meist ein konkretes Anliegen, oft zieht man aus Glaubensgründen zu einem bestimmten Ort. Es gibt Pilgernde, die allein oder gemeinsam auf dem Weg sind. Bekannte Ziele sind Wallfahrtsorte, wie Rom, Santiago de Compostela, Jerusalem oder Assisi. Doch es gibt auch viele Kleinere ganz in der Nähe. Recherchieren sie mal einen Ort in ihrer Nähe. Einige Pilger machen sich unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ auf, sie schätzen die Erfahrungen, die sie unterwegs erleben und lassen sich leiten. Waren Sie schon mal als Pilger unterwegs? Dabei geht es nicht um „Weiter“ oder „Exotischer“ – sondern, um einen inneren und äußeren Weg, die sich bedingen und den Standpunkt beziehungsweise den Ausgangspunkt in jedem Fall verändern.

Gepilgert wurde schon vor 2.000 Jahren, im Mittelalter, auch heute und in allen Religionen. Es ist eine Übung, die vielen Menschen nahe liegt und auf die ganz eigene Art und Weise funktioniert.
Probieren sie es aus. Beginnen sie mit dem Weg zur Arbeit: Wer und was begegnet mir? Was ist mir wichtig dabei? Bin ich achtsam mit mir? Fühle ich mich allein oder bin ich mit anderen unterwegs?

Am Ende hat Pilgern etwas mit dem gesamten Leben zu tun. Wir sind jeden Tag unterwegs, manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Dabei streben wir Menschen meist danach glücklich zu sein – Glück zu erfahren. Und doch weist uns der Schriftsteller Theodor Storm auf Folgendes hin: „Wir können wohl das Glück entbehren, aber nicht die Hoffnung.“

Lebenselixier Hoffnung

Und hier wird das Thema Hoffnung sichtbar. Hoffnung ist ein Lebenselixier. Jeder Mensch kann Hoffnung sein – für sich selbst, für andere. Sie können Hoffnung geben, durch einen Blick, ein Wort, eine Geste. Hoffnung ist dabei mehr, als positiv zu denken. Es ist eine zuversichtliche innerliche Ausrichtung. Diese zu erlangen kann unter den heutigen Umständen, der aktuellen Situation auf der Welt und in der Gesellschaft sehr schwerfallen. Dennoch sind gerade diese herausfordernden Zeiten Momente, in denen Menschen und besonders Christen aufgerufen sind, Hoffnungsträger zu sein. Sich auf die eigenen Wurzeln, Gott, zu verlassen und für die Nöte der Menschen offen zu sein. Papst Franziskus drückt dies so aus: „Die Hoffnung lässt uns nicht in uns selbst verschlossen, sondern öffnet uns für den großen Horizont des Lebens“.

Das führt mich in meinen Gedanken nun unweigerlich zu dem Leitsatz der Malteser Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen. Malteser dürfen „…die Fackel der Hoffnung, die [ihnen] geschenkt wurde, am Brennen halten und alles tun, damit jeder die Kraft und Gewissheit zurückgewinnt, mit offenem Geist, vertrauensvollem Herzen und weitsichtigem Verstand in die Zukunft zu blicken“ (Zitat Papst Franziskus).

Liebe Malteser, ich wünsche Ihnen in diesem Jahr, dass sie ihren Weg hoffnungsvoll gehen. Dass sie unterwegs sind und nicht stehen bleiben. Dass sie Hoffnung sind für sich, ihre Familien und ihr Umfeld. Pilger der Hoffnung – kann in diesem Sinne – die Welt ein kleines bisschen besser machen. Und Sie wissen ja: Viele kleine Tropfen ergeben einen großen Ozean.

Ihre Franziska Quevedo