Mobilität neu gedacht: Wie eine Befragung im Bezirk Hildesheim den Weg für nachhaltige Veränderungen weist

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Warum eine Befragung? 

„Bevor wir Maßnahmen entwickeln, wollten wir verstehen, wie unsere Mitarbeitenden tatsächlich unterwegs sind und welche Hürden sie sehen“, erklärt Wundke. Gemeinsam mit anderen Klimaschutzbeauftragten aus den Regionen Nordost und Nordwest wurde daher eine standardisierte Umfrage entwickelt. Ziel war es, sowohl die gelebten Mobilitätsgewohnheiten als auch Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeitenden sichtbar zu machen – und so herauszufinden, wo Hebel für Veränderungen liegen. 

Mobilitätsrealität im Bezirk

Knapp 150 Mitarbeitende nahmen an der Befragung teil – das sind rund sechs Prozent der Belegschaft. „Das ist zwar nur ein kleiner Teil, gibt uns aber einen guten ersten Eindruck über die Situation“, sagt Wundke. Ein Ergebnis sticht sofort ins Auge: Über die Hälfte fährt individuell mit dem Auto zur Arbeit. Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass fast die Hälfte der Teilnehmenden bereits nachhaltigere Alternativen wie Fahrrad, E-Bike, den öffentlichen Nahverkehr, Fahrgemeinschaften oder die eigenen Beine nutzen. 


Besonders interessant: 

  • Entfernungen – Rund 50 Prozent der Mitarbeitenden wohnen weniger als zehn Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt. Während unter fünf Kilometern das Fahrrad klar dominiert, gewinnt ab fünf Kilometern das Auto die Oberhand. 
  • Gründe für die Verkehrsmittelwahl – Schnelligkeit, Flexibilität und Komfort stehen an erster Stelle. Kosten spielen überraschenderweise eine untergeordnete Rolle – es sei denn, es geht um die Frage, warum Alternativen nicht genutzt werden. 
  • Fahrradfahren macht glücklich – Über die Hälfte der Radfahrenden nennt Spaß, Fitness und frische Luft als Hauptmotivation. Beim Autofahren sehen nur fünf Prozent „Spaß“ als Grund. 
  • ÖPNV bleibt schwierig – Lange Pendelzeiten und mangelnde Verlässlichkeit sind die größten Hindernisse. Kosten wurden nur selten als Barriere genannt – dennoch wünschen sich viele ein kostenfreies oder subventioniertes Deutschlandticket. 

Überraschende Dimensionen: Pendelverkehr gleichauf mit Dienstwagenflotte 

Besonders aufhorchen ließ eine Hochrechnung: Die CO₂-Emissionen aus den Pendelfahrten der Mitarbeitenden erreichen mindestens das gleiche Niveau wie die des gesamten Dienstfuhrparks – und vermutlich sogar mehr. „Das war ein Aha-Moment“, so Wundke. „Es zeigt, dass die Mobilität unserer Mitarbeitenden eine mindestens ebenso große Stellschraube für den Klimaschutz ist wie unsere Gebäude oder Dienstfahrzeuge.“ 

Von Erkenntnissen zu Maßnahmen

Aus der Befragung sind bereits erste konkrete Schritte entstanden. Ziel ist es, attraktive und realistische Angebote zu schaffen. Es geht nicht darum eine allgemeingültige Maßnahme für alle Standorte und Mitarbeitenden zu finden, sondern einen Mix, der zu den unterschiedlichen Lebensrealitäten passt. 

Aktuell werden vor allem folgende Themen für eine Umsetzung geprüft:  

  • Fahrradfreundlichkeit verbessern: Ausarbeitung und Einführung des Konzeptes „Fahrradfreundliche Dienststelle“ mit einheitlichen, hohen Standards für Fahrradabstellanlagen. Des weiteren Services und Incentives, die die Nutzung von Fahrrädern erleichtern und attraktiver machen sowie Sensibilisierungsmaßnahmen und Mitmachaktionen, die motivieren aufs Rad zu steigen. 
  • ÖPNV-Angebote nutzen: Das bereits bestehende Angebot eines vergünstigten Deutschlandtickets für Hauptamtliche soll stärker beworben werden. Für Ehrenamtliche werden alternative Fördermöglichkeiten eines ÖPNV-Tickets geprüft. 
  • Gesundheitsaspekt einbeziehen: Das Fahrradpendeln oder der Weg zu Fuß zur Arbeit könnten auch als Bausteine in der Gesundheitsförderung der Malteser gedacht werden. Wie dies genau aussehen kann, steht noch nicht fest. Über Ideen und Anregungen freut sich Julian Wundke. 
  • Nachhaltigere Autonutzung: Auf regionaler Ebene werden aktuell die Entwicklung und Pilotierung eines Tools zur leichteren Bildung von Fahrgemeinschaften für den Arbeitsweg diskutiert. Weitere Maßnahmen sind angedacht und werden zukünftig genauer ausgearbeitet.  

Wirkung über den Bezirk hinaus

Wundke sieht die Befragung nicht nur als lokalen Impuls: „Wir versuchen immer Maßnahmen zu entwickeln, die möglichst passgenau für die Gegebenheiten vor Ort sind. Durch die strukturierte Zusammenarbeit in den Regionen Nordost und Nordwest, schauen wir aber auch immer direkt, wie wir Maßnahmen übertragbar machen können. Wenn wir Pilotprojekte, wie die „Fahrradfreundliche Dienststelle“ erproben und aufbereiten, können andere Bezirke davon profitieren und schneller in die Umsetzung kommen. Das natürlich auch außerhalb dieser beiden Regionen“. Damit zeigt sich, wie lokale Initiativen in die Gesamtstrategie einzahlen und umgekehrt von regionalen Vorgaben profitieren können. 

Ein Blick nach vorn 

Der nächste große Schritt ist bereits geplant: Ab Winter sollen die Dienststellen bei der konkreten Umsetzung besserer Fahrradinfrastruktur unterstützt werden. Ziel ist, dass zum Frühjahr spürbare Verbesserungen sichtbar sind. Und wenn er einen Wunsch frei hätte? „Ich würde mir eine attraktive Lösung für diejenigen wünschen, die auf das Auto angewiesen sind – vielleicht eine Förderung für private E-Fahrzeuge oder ein innovatives Mitfahrmodell. Das würde uns noch einmal einen großen Schritt weiterbringen.“ 

Die Befragung im Bezirk Hildesheim zeigt: Nachhaltige Mobilität ist kein abstraktes Thema, sondern konkret machbar: Mit Maßnahmen, die sich nah an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden orientieren. Sie macht sichtbar, dass die Malteser mit vielen kleinen und größeren Schritten gemeinsam eine große Wirkung erzielen können. 


Bezirk Hildesheim in Zahlen 

  • 16 Ortsgliederungen
  • 1.031 Hauptamtliche 
  • Knapp 2.000 Ehrenamtliche 
  • Lage der Ortsgliederungen 
  • 5 Stck. in Großstädten 
  • 6 Stck. in mittelgroßen Städten 
  • 2 Stck. in Kleinstädten 
  • 3 Stck. in ländlichen Gebieten 

Zur Person

Julian Wundke ist seit 2024 Klimaschutzbeauftragter für die Diözese Hildesheim. Daneben leitet er das mobile Duschangebot für wohnungslose Menschen, MOBALNI, bei den Maltesern in Hannover. In seiner Freizeit ist er gerne in der Natur unterwegs - zu Fuß, mit dem Fahrrad und auf und in dem Wasser.