„Das Thema Fuhrparkmanagement rückt bei uns künftig viel stärker in den Fokus“, erzählt Norbert Hoffschröer im Gespräch. Bisher waren Aufgaben im Fuhrpark auf verschiedenen Schultern bei den Fahrdienstleitungen und in der Beschaffung verteilt, doch nun werden sie strategisch und zentral gedacht. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum: Die Regionen Nordost und Nordwest verfügen zusammen über den größten Fuhrpark bei den Maltesern. Mit mehreren Tausend Fahrzeugen ist hier eine vorausschauende Steuerung entscheidend.
Damit die Regionen handlungsfähig sind, wird das Thema nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich neu aufgestellt: klare Strukturen, verlässliche Prozesse und der Mut, Neues auszuprobieren. „Nur wenn wir das Thema groß denken, schaffen wir es, langfristig nachhaltiger und wirtschaftlicher unterwegs zu sein“, so Hoffschröer.
Ein klarer Auftrag – aber ein langer Weg
Ein wichtiger Meilenstein war eine Entscheidung beider Regionen, die während eines gemeinsamen Workshops der Klimaschutzbeauftragten mit der Regional- und Diözesangeschäftsführung getroffen wurde: Seit dem Jahr 2024 wird in beiden Regionen (mit geplanten Ausnahmen) im Falle der Neubeschaffung die Option des Elektrofahrzeugs geprüft. „Damit die Ausnahme auch wirklich Ausnahme bleibt, ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur entscheidend“, betont Hoffschröer. Doch ihm ist bewusst: Die Elektrifizierung des Fuhrparks geschieht nicht von heute auf morgen. Sie ist ein Prozess, der sorgfältige Planung, Investitionen und vor allem Durchhaltevermögen verlangt.
Zahlen, Daten, Potenziale
„Spannend ist die Frage, wie groß der Anteil an Fahrzeugen ist, die wir in den kommenden Jahren auf Elektro umstellen können“, erklärt Hoffschröer. Um sie zu beantworten, hat er den Bestand analysiert: Welche Fahrzeugtypen gibt es, wie werden sie genutzt, wie hoch ist die tägliche Laufleistung? Auf dieser Basis wurde errechnet, wie viele Ladepunkte in Zukunft benötigt werden.
Der Prozess war klar strukturiert: Hoffschröer erstellte zunächst eine umfangreiche Excel-Auswertung des Fuhrparks. Dabei wurde jedes Fahrzeug mit Laufleistung, Alter und Einsatzbereich erfasst. Im nächsten Schritt stellte er diesen Profilen passende Elektrofahrzeuge gegenüber, prüfte Reichweiten und Ladezeiten und berechnete, wie lange Ladepunkte tatsächlich belegt wären. Auf Basis dieser Unterlagen, ergänzt durch einen aktualisierten Leitfaden zur Ladeinfrastruktur, wurden die Geschäftsführungen, Dienststellenleitungen und kaufmännischen Verantwortlichen in drei Veranstaltungen eingeladen. „Wir haben die Ergebnisse vorgestellt und die Daten an die Bezirke weitergegeben mit der klaren Bitte, in die Zukunft zu schauen: Wie viele Fahrzeuge werdet ihr in den nächsten zwei bis drei Jahren ersetzen müssen? Und wie viele Ladepunkte braucht ihr mittelfristig?“, so Hoffschröer.
Die Bezirke erhielten damit nicht nur eine Datengrundlage, sondern auch eine konkrete Aufgabe. Über die Sommermonate konnten sie ihre Einschätzungen und Planungen erarbeiten. Anschließend standen Norbert Hoffschröer und der regionale Facility Manager Patrick Peters,für Beratungsgespräche bereit – um offene Fragen zu klären und bei der Planung zu unterstützen.
Dabei spielt der Blick in die Zukunft eine wichtige Rolle: Auch wenn eine Dienststelle heute nur zwei Ladepunkte braucht, sollte sie die Leitungen gleich für sechs oder acht Punkte mitdenken. So spart man sich später teure Erdarbeiten – und sorgt dafür, dass das Ladenetz Schritt halten kann, wenn mehr E-Fahrzeuge beschafft werden. Der Weg der Elektrifizierung besteht aus vielen solcher kleinen, aber entscheidenden Etappen.
Praktische Erfahrungen unterstützen die Theorie
Um Vorbehalte abzubauen, setzen die Regionen auf Praxistests. So konnten Dienste einen elektrischen Neunsitzer im Alltag ausprobieren. „Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv – und zeigen, wie sehr sich die Fahrzeugtechnik in den letzten Jahren weiterentwickelt hat“, sagt Hoffschröer. Ein Blick in Richtung Hansestadt Hamburg zeigt, wohin die Reise geht: Dort dürfen Taxis im gesamten Stadtgebiet nur noch emissionsfrei fahren. Elektrische Fahrzeuge mit 500.000 Kilometern Laufleistung sind dort keine Seltenheit – und immer noch zuverlässig unterwegs. „Das wäre mit einem Verbrenner undenkbar“, soHoffschröer. „Da zeigt sich, dass Elektromobilität nicht nur eine Übergangslösung ist, sondern echte Dauerhaftigkeit hat – aber eben das Ergebnis konsequenter, jahrelanger Arbeit ist.“
Blick nach vorn
Für die kommenden Jahre sieht Hoffschröer großes Potenzial: „Im Pkw- und Kleinbusbereich können wir so gut wie alles elektrifizieren. Langfristig wird es kaum einen Fahrzeugtyp geben, für den es keine elektrische Lösung gibt.“ Parallel wird an einer sauberen Datenbasis gearbeitet – inklusive einheitlicher Software und Standards für Lade- und Auswertungssysteme. Doch Hoffschröer betont: „Das ist ein Marathon, kein Sprint. Wir werden den Fuhrpark Schritt für Schritt umbauen – mit jedem neuen Fahrzeug, mit jeder neuen Ladesäule.“
Bei allem Fachlichen verliert er die persönliche Motivation nicht aus dem Blick: „Nachhaltigkeit bedeutet für mich, Verantwortung für die Zukunft meiner Kinder zu übernehmen. Es freut mich sehr, dass ich mit meiner Arbeit hier einen echten Unterschied machen kann.“