Vor nun fast sechs Monaten habe ich meinen ersten Arbeitstag im Bereich Notfallvorsorge in der zivilen Sicherheitsforschung mit Sitz in der Malteser Zentrale in Köln angetreten, quasi in der Malteser Forschung. Falls Sie jetzt denken: „Wie, die Malteser haben eine Forschung?“ sind Sie nicht allein. Mittlerweile höre ich diese Frage fast echoartig in meinem Kopf, sobald die beiden Stichwörter „Malteser“ und „Forschung“ fallen. Nicht zuletzt dank der ausführlichen Nachfragen während des Sommercamps. Das Camp war auch die Inspiration für diesen Artikel. Als erst nach einer Woche einzelne Teilnehmende dahinterkamen, dass unsere Forschung nicht wirklich etwas mit Reagenzgläsern zu tun hat, war klar: Hier muss mal aufgeräumt werden! Ganz in diesem Sinne nun ein paar typische Fragen meiner Sommercamp-Mitstreitenden und die passenden Antworten, die unsere Arbeit hoffentlich zufriedenstellend erklären:
Wenn schon keine Reagenzgläser bei eurer Arbeit zum Einsatz kommen, wie sieht es dann mit Laborkitteln und Lasern bei euch aus?
Ohne euch enttäuschen zu wollen: Mit beidem sieht es eher schlecht aus. Wie die meisten Kolleginnen und Kollegen im Hauptamt verbringen wir einen Großteil unserer Arbeitszeit ganz klassisch am Schreibtisch. Das klingt vielleicht trocken, ist es aber nicht ... okay, nur manchmal. Die Abwechslung kommt durch das Team, spannende Themen und den Austausch mit Fachleuten – sowohl innerhalb der Malteser Gemeinschaft als auch mit anderen Organisationen. Forschen bedeutet nämlich nicht nur am Schreibtisch sitzen, sondern sich zu vernetzen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Außerdem verbringen wir Zeit auf Fachkongressen, Messen und bei Treffen mit Ehrenamtlichen, was immer wieder frischen Wind bringt. Je nach Projekt haben wir das große Glück, bei Übungen dabei zu sein, um unsere Ergebnisse zu erproben. Die Antwort also in kurz: In Laborkitteln sieht man unser Team – das sind übrigens Ruth Winter, Merle Medick und ich – nur an Weiberfastnacht. Und an dem Laser arbeiten wir noch.
Was habt ihr denn gerade unter der Lupe?
Bei uns laufen gerade zwei Projekte, die – wie alle Forschungsprojekte – ganz wundervolle Akronym-Namen tragen: „KatHelfer PRO“ und „deFenSIO“. Nummer eins ist ein etwas größeres Projekt, bei dem neben den Maltesern auch sechs weitere Partner ein soziotechnisches System zur Koordination von Spontanhelfenden in Katastrophensituationen entwickeln. Übersetzt bedeutet das: Wir bündeln die bisherige Forschung in diesem Feld und machen sie praxisfähig, indem wir ein IT-System ausarbeiten, das in Krisenlagen dabei unterstützt, Aufgaben an freiwillige Helfende zu vermitteln. In Krisensituationen können sich Spontanhelfende dann über die Warn-Apps oder einen Chatbot bei einem der gängigen Messenger wie „Telegram“ melden und werden vermittelt. Damit die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) dieses Potenzial sinnvoll nutzen können, schaffen wir eine Schnittstelle zu ihren Einsatzführungssystemen. Natürlich entwickeln wir auch die notwendigen Schulungsmaterialien für dieses System und die Zusammenarbeit mit Spontanhelfenden.
Projekt Nummer zwei, deFenSIO, beschäftigt sich mit der Erhöhung des Bewusstseins für Bedrohungen aus dem digitalen Raum, Kommunikations- und Informationssicherheit unter den Malteserinnen und Maltesern, insbesondere den Ehrenamtlichen. Dafür entwickeln wir, gemeinsam mit der Bergischen Universität Wuppertal und der SoCura, zielgruppenspezifische Schulungsmaßnahmen, Informationskonzepte und Kampagnen, um die Menschen präventiv im Umgang mit potenziellen Gefahren zu qualifizieren. Diese Konzepte sollen so allgemein anwendbar sein, dass auch andere Hilfsorganisationen davon profitieren und die Resilienz des Gesundheitssektors gegenüber potenziellen Bedrohungen erhöht wird.
Forschung, das klingt nach Jahrzehnten der Lösungssuche. Wie lang dauert sowas bei euch?
Jahrzehnte … naja, fast. Die meisten Forschungsprojekte brauchen nach Bewilligung etwa zwei bis vier Jahre, abhängig vom Projekt. Diese Zeiträume sind von vornherein festgelegt und genau verplant. Das liegt daran, dass die Forschungsfragen leider nicht so einfach und schnell beantwortet werden können, wie die, warum der Käse Löcher hat. Zusätzlich brauchen wir Vorlauf, um eine entsprechende Forschungsförderung zu finden, einen Antrag einzureichen und diesen bewilligt zu bekommen. Unser Ziel dabei ist, etwas zu entwickeln, das der Notfallvorsorge hilft, schneller und sicherer zu handeln – und das braucht eben Zeit.
Mal ehrlich, wie finanziert ihr eigentlich eure Forschung? Auch ohne Laser braucht man doch sicher ein bisschen mehr als nur gute Ideen, oder?
Die aufmerksamen Beobachtenden werden sich gemerkt haben, dass wir hauptamtlich in der Forschung sind. Da liegt die Frage nach der Finanzierung nahe. Die Antwort ist recht einfach: Unsere Forschungsprojekte werden zu 100 % vom Bund gefördert. In der Praxis läuft das so: Ministerien schreiben Forschungsaufrufe zu relevanten Themen aus, und wir reichen eine Forschungsskizze ein, die zur Notfallvorsorge passt. Mit etwas Glück und guter Vorarbeit wird die Skizze und später der Vollantrag bewilligt – und damit auch unsere Gehälter sowie alles, was wir sonst noch benötigen. Aktuell fließt das Geld für beide Projekte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
Ich habe da eine Idee, die ihr mal erforschen müsstet!
Immer her damit! Aber: Wir können leider nicht jeder Idee nach Lust und Laune nachgehen, da wir von den Ausschreibungen und Förderungen des Bundes abhängig sind. Trotzdem freuen wir uns immer über jede Art von Inspiration. Informiert uns auch gerne über eure Beteiligung an Projekten in der zivilen Sicherheit – wir leben von Ideen und der Zusammenarbeit!
Fassen wir also zusammen: Forschung bei den Maltesern ist ein Gemeinschaftsprojekt. Wir leben von Ideen und Input aus der Fläche. Ein bisschen wie „Frag doch mal die Maus“, nur dass unsere Antworten zwischen zwei bis vier Jahre brauchen.
Wir freuen uns auf euren Input – hier könnt ihr uns erreichen.