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Malteser in Deutschland

"Sicherheit, Frieden und eine Zukunft für unsere Tochter."

Batul*, Amal* und die dreijährige Monira* haben sich auf den Weg aus dem syrischen Aleppo in Richtung Europa gemacht. Über die Situation in Syrien, ihre Beweggründe sowie ihre Wünsche für die Zukunft berichten sie in diesem Interview.

Malteser: Vielen Dank, dass Sie sich bereit erklären, uns Ihre Geschichte zu erzählen. Warum haben Sie sich auf den Weg nach Europa gemacht?
Amal:
In Aleppo habe ich als Drucker gearbeitet: Mein Arbeitsplatz lag mitten in einem umkämpften Gebiet, in dem sowohl die syrische Armee als auch die Freiheitskämpfer präsent waren. Überall gab es Scharfschützen, es wurde geschossen und Raketen sind hin- und hergeflogen. Aber ich war gezwungen, arbeiten zu gehen, da meine Familie sonst verhungert wäre. Jeden Tag, wenn ich mich auf den Weg zur Arbeit gemacht habe, hatte meine Frau Angst, dass ich nicht mehr lebend zurückkomme. Das wollten wir hinter uns lassen. Sicherheit, Frieden und eine Zukunft für unsere Tochter: Das sind die Gründe, warum wir geflohen sind. Das wünschen wir uns am meisten.

Ihre Tochter ist jetzt drei Jahre alt. Wie hat sie den Krieg erleben müssen?
Die Kleine ist seit ihrer Geburt nur zu Hause gewesen und konnte nicht aus dem Haus. Wenn eine Rakete in der Nähe eingeschlagen ist, hat sie hat gefragt: Was ist das denn? Was sind das für Geräusche? Was sind das für Stimmen? Damit sie keine Angst bekommt, haben wir immer gesagt, dass ein Luftballon geplatzt sei oder jemand einen Böller gezündet hätte. Die Kinder in Syrien haben derzeit gar keine Zukunft mehr.

Können Sie uns den Weg beschreiben, den Sie auf Ihrer Flucht genommen haben?
Wir sind wahrscheinlich den Weg gegangen, den 90 Prozent der anderen auch gegangen sind: über die Türkei im Boot, zu Fuß und im LKW nach Deutschland. Es kann sein, dass wir unterwegs mehr gelitten haben als andere. Es kann aber auch sein, dass andere mehr gelitten haben als wir. Wir haben von Syrien bis hierhin 23 Tage gebraucht und teilweise mit unserer Tochter draußen im Regen geschlafen – ohne ein Dach über dem Kopf oder eine Decke. Letztendlich sind wir froh, dass wir jetzt in Deutschland sind. Wir möchten einfach nur leben und möglichst schnell anerkannt werden: Monira muss jetzt zum Beispiel schnell in den Kindergarten.

Wie fühlen Sie sich in Deutschland und speziell von den Maltesern hier vor Ort aufgenommen?
Die Malteser machen eine super Arbeit und wir sind wirklich froh, dass sie hier sind – nur über das Essen müssen wir noch reden. Aber im Ernst: Wenn neue Malteser Helfer kommen, sind die nicht scheu, sondern versuchen auf irgendeine Art und Weise sofort zu helfen. Was hier passiert, ist viel mehr, als wir gehofft haben.

* Namen von der Redaktion geändert.

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