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Malteser in Deutschland

Eine Reise ins Ungewisse

Einen ganzen Monat war Abdul (21) aus Aleppo über die Türkei, den Balkan und Österreich unterwegs, bis er die Erstaufnahme der der Malteser in Brühl-Wesseling bei Köln erreichte. Über seine Beweggründe, die Stationen seiner Flucht sowie seine Träume und Wünsche für die Zukunft berichtet er im Interview.

Malteser: Warum hast du dich aus deiner syrischen Heimat auf den beschwerlichen Weg nach Europa gemacht?
Abdul: Ich komme aus Aleppo und mittlerweile ist die Stadt zu 70 Prozent zerstört. Ich habe in den letzten Jahren viele schreckliche Dinge erlebt und gesehen: Kampfjets, die wahllos Bomben abwerfen. Raketen, die Häuser und Scharfschützen, die Menschen treffen. Sterbende Kinder und Familien. Die ganze Stadt ist im Krieg versunken.

Bist du dann alleine losgezogen?
Nein. Ich bin mit meinem Bruder zusammen aus Aleppo geflüchtet. Über die Türkei bis nach Griechenland waren wir zusammen unterwegs. Von Athen aus hat er das Flugzeug nach Deutschland genommen. Er ist blond und hat recht helle Haut, so dass er problemlos in den Flieger gekommen ist. Ich wurde leider nicht durchgelassen.

Wie sah deine Flucht im Einzelnen aus?
Zuerst sind wir zu Fuß über die Grenze in die Türkei gelangt und haben dort einen Bus bis nach Bodrum genommen, um von dort aus mit einem Boot zur griechischen Insel Kos überzusetzen. Wir haben einem Schleuser jeweils 1.000 Dollar für die Überfahrt gezahlt - auf einem kleinen Fischerboot, welches nur für vier Personen ausgelegt war. Wir waren aber ungefähr 15 Menschen und hatten Glück, dass unterwegs nichts passiert ist. Viel zu viele hatten das nicht, die vor dem Krieg geflohen sind und letztlich auf einem untauglichen Schiff gestorben sind.

Wie ging es von Kos aus weiter?
Als wir das Festland erreicht haben, hat uns die Polizei erwartet und in Gewahrsam genommen. Anschließend wurden wir in ein Flüchtlingslager gebracht, bis wir nach vier Tagen die Erlaubnis bekommen haben, uns auf den Weg nach Athen zu machen. Dort hat mein Bruder dann, wie gesagt, das Flugzeug genommen - ich musste noch ungefähr einen Monat warten, bis ich dann mit dem Taxi zur mazedonischen Grenze fahren konnte. Zu Fuß habe ich mich dann bei Nacht durch den Wald auf den Weg gemacht, um der Polizei am Grenzübergang zu entgehen.
In Mazedonien wurde ich von Schleusern erwartet, die uns in größeren Gruppen zur serbischen Grenze gebracht haben - je größer eine Gruppe ist, desto unwahrscheinlich er ist es, überfallen und ausgeraubt zu werden. An der Grenze sind wir dann zu Fuß den Bahnschienen gefolgt und haben die Nacht bei Regen im Straßengraben verbracht - immer in der Angst, von Grenzpolizisten entdeckt zu werden.

Aber ihr habt es über die Grenze nach Serbien geschafft?
Ja. Von dort aus ging es dann mit dem Bus nach Belgrad, wo uns ein Lastwagen erwartet hat. Zusammen mit 30 weiteren Personen sind wir dann über Ungarn nach Wien gebracht worden. Von dort aus habe ich den Zug nach Düsseldorf genommen und bin jetzt erst einmal hier in Wesseling.

Und was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich hoffe, ich werde möglichst schnell als Flüchtling anerkannt, bekomme meine Papiere und darf in Deutschland bleiben. Dann würde ich gerne mit meinem Bruder zusammenziehen und Mediendesign studieren.

Was ist mit deinen Eltern? Sind sie noch in Syrien?
Nein, in der Türkei. Sie sind beide um die 60 Jahre alt und können nicht den Weg gehen, den ich genommen habe. Aber ich hoffe, dass sie nach Deutschland nachkommen können.

Warum war Deutschland dein Ziel?
Eigentlich wollte ich nach Schweden, weil dort Cousins von mir leben. Aber mein Vater spricht deutsch, war früher schon hier und liebt dieses Land. Also: Deutschland.

Wie fühlst du dich denn in Deutschland und von den Maltesern aufgenommen?
Sehr gut. Es ist großartig: Die Menschen hier in Wesseling und ganz Deutschland opfern ihre Freizeit, die sie zuhause mit ihren Familien verbringen könnten, um uns zu helfen - obwohl sie uns nicht kennen. Danke! Vielen, vielen Dank!

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