Unterstützung 2.0: Cybermobbing-Prävention in der Schule

Du bist hässlich. Du bist fett. Du bist dumm. Das sind Sätze, die schmerzen, wenn man sie hört. Aber wie viel schlimmer ist es, wenn so etwas im Internet steht, wo es jeder lesen kann?

Darum geht's:


Cybermobbing gibt es an fast allen Schulen

Cybermobbing ist längst kein Einzelphänomen mehr. Wenn wir online sind, kann jeder mit jedem kommunizieren und das meistens öffentlich. Dabei passiert es leider immer häufiger, dass vor allem Jugendliche im Netz fertig gemacht werden. Der Verein Cybermobbing Prävention e.V. will genau das verhindern. Wie du Cybermobbing erkennst und was du dagegen machen kannst, hat uns der Vereinsgründer Philipp Behar-Kremer erzählt.

Portraitfoto von Philipp Behar Kremer
Philipp ist Mitgründer des Vereins Cybermobbing Prävention e.V. © Cybermobbing Prävention e.V.

Eigentlich will Philipp im Jahr 2010 nur eine Weiterbildung besuchen und er hat nicht vor, dabei irgendwelche Freunde zu finden. Doch dann ist da Oliver Gende. Die beiden Sozialpädagogen und Eltern-Medien-Trainer verstehen sich auf Anhieb. Philipps Abschlussarbeit im Rahmen der Weiterbildung handelt von Cybermobbing, einem Thema, das dem ehemaligen Fachinformatiker aus Berlin am Herzen liegt. Und auch Oliver ist begeistert. So beschließen Philipp und Oliver vor acht Jahren, als Ehrenamtliche Workshops an Schulen zu dem Thema zu geben. Ende des Jahres haben sie zwei Workshops erfolgreich abgehalten, im darauffolgenden Jahr sind es ganze 100. Sie gründen den Verein Cybermobbing Prävention e.V. Inzwischen arbeiten sie mit anderen Trainern zusammen, um die vielen Anfragen zu bewältigen. Cybermobbing ist ein Thema, das den Schulen unter den Nägeln brennt, sagt Philipp:


Ich kenne keine Schule, die kein Problem mit Cybermobbing hat.

Philipp, gründer von Cybermobbing Prävention e.V.


Die Trainer arbeiten grundsätzlich zu zweit. „Wenn in der Klasse etwas rausbricht, dann können wir uns aufteilen. Einer geht mit den Betroffenen raus und spricht mit ihm oder ihr, der andere bleibt bei der Klasse und redet dort weiter“. Philipp selbst hat Mobbing nie erfahren müssen, „aber ich bin immer haarscharf daran vorbei geschlittert. Ich war ein sehr ruhiges Kind und erinnere mich noch sehr gut, als ich im Kindergarten mal Ausgrenzung erfahren habe. In der Schule aber nicht. Da hab ich immer auf der Seite der nicht so Starken gestanden. Mein großer Vorteil war, dass mich immer viele Leute kannten und mich nett fanden“.

Teil einer Gruppe zu sein, ist der beste Schutz vor Mobbing und Cybermobbing. Denn Ziel ist es, eine einzelne Person psychisch und physisch auszugrenzen.

Daten, Zahlen, Fakten

Im Alter zwischen 12 und 19 Jahren hat mehr als jeder Dritte schon einmal von einem Cybermobbingfall im Freundes- und Bekanntenkreis gehört. Weniger als jeder Zehnte sagt von sich, dass er selbst schon mal betroffen war. Die meisten Jugendlichen,  die von Cybermobbing betroffen sind, sind zwischen 16 und 17 Jahre alt.

Mobbing und Cybermobbing – die Unterschiede

Im Kern ist Cybermobbing ist lediglich ein neuer Weg, jemanden fertig zu machen. Doch online kommen ein paar Aspekte dazu, die das Mobbing verschärfen, erklärt Philipp: „Cybermobbing findet rund um die Uhr statt. Wenn ich die Schule und den Schulweg hinter mich gebracht habe, komme ich nach Hause und da geht es weiter. Selbst in meiner intimsten Privatsphäre bin ich vor den Angriffen nicht geschützt.“

Wie beim Mobbing, verbreiten die Betreiber Lügen und Gerüchte über eine Person. Allerdings verbreitet sich im Internet alles viel schneller. Wie schnell das geht, erklärt Philipp anhand eines Beispiels: „Wenn ein peinliches Bild in der WhatsApp-Gruppe mit zwanzig Leute geteilt wird, dann teilt es noch mal jemand und innerhalb von Sekunden haben es hundert Leute bekommen. Ich gehe dann am nächsten Tag in die Schule und ich weiß nicht, wer das Bild gesehen hat. Jeder Blick, jede Geste, jedes Lachen der Mitschüler werden dann überinterpretiert. Und im Internet bleiben die Dinge ja, da kann man es nicht restlos löschen. Selbst wenn einer das Bild wieder löscht, haben es noch hundert andere auf dem Handy“. Zur Cybermobbing Prävention gehört es dazu, dass die Trainer in den Workshops mit den Schülern über ihr Internetverhalten sprechen.

Smartphone Kamera hält Foto fest
Videos, Fotos und persönliche Nachrichten verteilen sich sehr schnell im Netz. © Cybermobbing Prävention e.V.

100 Nachrichten am Tag …

… bekommen einige Jugendliche auf ihr Smartphone. Hauptsächlich sind es so viele, wenn sie in Gruppen chatten. Dafür werden Messengerprogramme und -apps genutzt. Ein Betroffener von Cybermobbing bekommt am Tag hunderte beleidigende Nachrichten auf sein Handy.

Kinderhände basteln
In den Präventionsworkshops lernen die Schüler, die Auswirkungen von Cybermobbing zu verstehen. © Cybermobbing Prävention e.V.

Wie du Cybermobbing erkennst

Wenn du diese Anzeichen bei anderen erkennst, dann frag doch mal vorsichtig nach, wie es demjenigen geht. Vielleicht kannst du ihm helfen.  

  • Die Betroffenen kommen häufig zu spät: Es ist viel leichter vom Lehrer oder Chef eine Ermahnung zu bekommen, als sich den Beleidigungen, Angriffen oder bösen Streichen der Mobbing-Betreiber auf dem Weg zur Schule auszusetzen.
  • Die Betroffenen verlieren ständig Dinge: Das tun sie nicht wirklich, sondern ihre Brille wird von anderen die Toilette herunter gespült oder die Hausaufgaben werden zerrissen.
  • Die Leistungen der Betroffen werden plötzlich schlechter: Dafür sorgt das hohe Stresslevel, das sich bei Mobbing-Betroffenen einstellt. Das führt zu Ess-, Schlaf- und Konzentrationsstörungen.
  • Die Betroffenen verhalten sich unverhältnismäßig aggressiv: Irgendwann werden sie sich zur Wehr setzen und ihrer Wut, ihrer Angst und ihrer Traurigkeit freien Lauf lassen.

So funktioniert Cybermobbing Prävention

Was sind AGBs? Und darf WhatsApp mein Bild vom Strand veröffentlichen? Mit diesen Fragen starten die Trainer von Cybermobbing Prävention e.V. in die Workshops mit den Schülern. Philipp und seinen Kollegen geht es erst einmal darum, dass die Jugendlichen verstehen, was sie da überhaupt machen, wenn sie online sind. Im zweiten Teil des Workshops rückt das Thema Mobbing stärker in den Fokus. Rollenspiele lassen jeden am eigenen Leib spüren, wie sich Mobbing anfühlt. Einer verlässt den Raum und wenn er zurückkommt müssen die anderen ihn ignorieren. Bei 95 Prozent der Schüler ist die Reaktion: ich wusste, dass es ein Spiel ist, aber trotzdem ist bei mir ein Film abgelaufen und ich habe mich gefragt, was ich falsch gemacht habe.

Philipp und seine Kollegen wollen den Schülern vermitteln, dass niemand tatenlos zusehen soll, wenn andere gemobbt werden. „Das Mitgefühl ist Dreh- und Angelpunkt in unseren Workshops. Mobbing-Betreiber wissen sehr genau, was da beim anderen passiert, aber es fehlt das Mitgefühl. Das gilt auch für die anderen, die nichts tun. Die ganze Gruppe muss agieren."

Wie du mit Cybermobbing umgehst

Das Wichtigste ist, Hilfe zu suchen! Egal, ob du selbst davon betroffen bist oder es bei jemand anderem erlebst. Mit anderen darüber reden hilft. Das können Freunde sein, Lehrer, Sozialpädagogen, Eltern oder du selbst, wenn sich dir jemand anvertraut. Hilfe holen ist übrigens nicht petzen. Mobbing funktioniert nur dann, wenn es im Verborgenen stattfindet. Darum ist es wichtig, es öffentlich zu machen. Klicke hier (interner Link “Cybermobbing”) für mehr Infos zum Thema Cybermobbing.

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