Skilled Voluneers: Helfer in einem anderen Land

Obdachlosen in Paris helfen, Erste-Hilfe-Kurse in Dublin geben oder Kinder in Südafrika betreuen. Menschen helfen kannst du überall auf der Welt, zum Beispiel mit dem „Skilled Volunteers“ Programm der Malteser. Henriette hat vier Wochen in Litauen gelebt und die dortigen Malteser bei der häuslichen Pflege unterstützt. 

Darum geht's:


Aufbruch zur anderen Seite der Ostsee

Kiel ist eine Hafenstadt an der Ostsee. Klaipėda ist eine Hafenstadt an der Ostsee – allerdings auf der anderen Seite des Meers in Litauen. Dazwischen liegen 900 Kilometer.
Henriette ist Physiotherapeutin und ist ehrenamtlich als Stadtbeauftrage und Leiterin des Sanitätsdienstes für die Malteser engagiert. Für vier Wochen tauschte sie Kiel gegen Klaipėda, um dort in der häuslichen Pflege Menschen zu helfen. Das Programm heißt „Skilled Volunteers“ was so viel wie „erfahrene Freiwillige“ bedeutet und sich an Ehrenamtliche mit bestimmten Kenntnissen richtet, die diese im Ausland weitergeben wollen.

Die Entscheidung für Henriettes ehrenamtlichen Auslandseinsatz war schnell getroffen. Zwischen ihrer Bewerbung und der Abreise lagen nur ein paar Wochen. „Erst war ich etwas erschrocken über meine eigene Entscheidung“, erzählt Henriette, „aber dann habe ich mich gefreut“. Ihre größte Befürchtung vor ihrer Reise war die Sprache. Es wird englisch gesprochen. „Ich habe es mir wahnsinnig schwierig vorgestellt mit englisch. Auch im Urlaub hab ich das früher nicht so gerne gesprochen und immer andere vorgeschoben. Aber nach wenigen Tagen in Litauen war das kein Problem mehr“.

Henriette bricht auf nach Klaipeda in Litauen © Malteser/Paul Hirnstein

Wichtige Erkenntnisse und Frust liegen nah beieinander

Sie wohnt bei einer Gastfamilie, die für die Malteser tätig ist. So lernt man am besten Land und Leute kennen. Henriette hat viele Menschen kennengelernt und diese Begegnungen sind ihre Highlights. Schnell erfährt sie einen großen Unterschied zwischen der Einstellung zur Arbeit in Litauen und der in Deutschland: „Die Leute in Litauen nörgeln nicht so viel und unterstützen sich viel mehr gegenseitig bei der Arbeit. In einem Pflegeheim habe ich es erlebt, dass die Ärzte dabei helfen, die Patienten zu füttern“, erzählt Henriette. „Das würde in Deutschland nicht passieren. In Litauen ist es ganz normal. Wer gerade Zeit hat, hilft mit. Da macht die Physiotherapeutin auch mal sauber“.

Aber nicht immer ist alles schön. Gerade am Anfang gab es einen schwierigen Moment, denn beworben hatte sie sich auf eine Stelle als Physiotherapeutin. Schnell merkt Henriette, dass die Menschen in Klaipėda aber ganz andere Dinge brauchen. „Es gab nach eineinhalb Wochen einen Tag, da dachte ich: Was mache ich hier? Es ist nichts so, wie es geplant war. Das hat mich ein paar Stunden lang genervt. Dann habe ich etwas gegessen und mir gedacht: Nun bin ich schonmal hier, dann mache ich das jetzt auch alles mit.“ Und es hat sich für sie gelohnt - sie macht tolle Erfahrungen.

Henriette im Einsatz in Litauen © Malteser

Eine Reise, die verändert

Ab der zweiten Woche besucht Henriette regelmäßig einen Jungen mit einer schweren Behinderung. Seine Mutter hat Mühe, ihn neben der Arbeit zu betreuen. „In Litauen ist es oft nicht üblich, dass der Vater in der Familie mithilft. Die Mutter war so dankbar, dass jemand zu ihnen nach Hause gekommen ist, um zu helfen. Ich habe ja nicht nur dem Sohn geholfen, sondern auch der Mutter. Ich fand es beeindruckend, wie sie ihr Leben gemeistert haben“.
Der Auslandsaufenthalt hat Henriettes Sichtweise gleich mehrfach geändert. „Es hat sich auf jeden Fall geändert, dass ich wahnsinnig gerne englisch spreche“, erzählt sie. „Und ich habe mich anschließend gefragt, ob ich mit der ehrenamtlichen Tätigkeit, die ich hier in Kiel mache, wirklich das Bestmögliche tun kann, oder ob ich nicht mehr erreichen könnte? Man spielt ja häufig in der eigenen Komfortzone.“
Mit ihrem Aufenthalt in Litauen hat Henriette ihre Komfortzone verlassen. Und sie würde es immer wieder tun. Inzwischen war sie ein zweites Mal in Litauen – dieses Mal zu Besuch.

So wirst du „Skilled Volunteer“

Paris, St. Petersburg, Dublin, Litauen, Südafrika, Weißrussland – es gibt viele Einsatzorte und Einsatzmöglichkeiten. Für einen Zeitraum von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten lebst du bei einer Gastfamilie im Ausland und unterstützt vor Ort Hilfsbedürftige. Das kann im Fahrdienst sein, in der Kinderbetreuung, in der häuslichen Pflege oder bei der Weiterbildung. Wenn du deine beruflichen Erfahrungen oder erworbenen Fähigkeit bei Malteser-Projekten im Ausland einsetzen möchtest, solltest du ein paar Anforderungen erfüllen:

  • Du solltest mindestens 18 Jahre alt sein,
  • ehrenamtlich oder hauptberuflich bei den Maltesern tätig sein oder ein Interesse an einem Engagement mit den Maltesern über deinen Aufenthalt hinaus
  • gewisse Qualifikationen mitbringen wie: persönliche Erfahrung und Kompetenzen aufgrund deiner Familien- oder Lebenssituation, Aus-, Fort- und Weiterbildungen, Ehrenamts- und Berufserfahrung, Studium, Sprachkenntnisse.

 

Einsatzmöglichkeiten, Einsatzorte und die Bewerbungsmöglichkeiten findest du hier.


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