„Wir schaffen uns gemeinsame Erinnerungen!“

Die 22-Jährige Selina engagiert sich beim KulTour-Begleitungsdienst der Malteser. Ein Angebot für Senioren, die nicht mehr allein zu kulturellen Veranstaltungen gehen können. 

Darum geht's:


KulTour-Begleitungsdienst: zurück ins Leben!

Kunstaustellungen, Theateraufführungen, Kino- oder Konzertbesuche, aber auch Besuche von Zoos, Großunternehmen, Flughäfen und anderen sehenswerten Orten – viele ältere Menschen sind durchaus noch sehr an solchen interessanten Veranstaltungen interessiert. Und können trotzdem nicht hingehen. Das hat ganz unterschiedliche Gründe: Mitunter sind die Senioren gesundheitlich eingeschränkt, nicht mehr so mobil, weil sie selbst kein Auto (mehr) fahren, sie mögen nicht allein im Dunkeln unterwegs sein oder fühlen sich schlichtweg unwohl, ganz allein im Theater, bei einem Konzert oder im Kinosaal zu sitzen. Eine Initiative der Malteser sorgt dafür, dass sie wieder am kulturellen Leben teilnehmen können: Beim KulTour-Begleitungsdienst begleiten Ehrenamtliche die Seniorinnen und Senioren zu kulturellen Veranstaltungen aller Art.

Jeder Ehrenamtliche kümmert sich beim KulTour-Begleitungsdienst um eine feste Person, die dann regelmäßig begleitet wird. Feste Termine gibt es in der Regel nicht, die Treffen erfolgen nach Absprache zwischen  Ehrenamtler oder Ehrenamtlerin und der betreuten Person.

Ein Ehrenamt, bei dem man viel zurückbekommt

Selina & Rosemarie

Die 22-Jährige Selina engagiert sich seit fast zwei Jahren beim KulTour-Begleitungsdienst in Eichstätt. Seit Herbst 2017 begleitet die Psychologie-Studentin, die für die Malteser auch Erste-Hilfe-Kurse gibt, die inzwischen 90-Jährige Rosemarie zu kulturellen Events. Sie gehen gemeinsam ins Kino, auf Konzerte oder ins Theater. „Es macht mir wahnsinnig viel Spaß“, erzählt Selina. „Ich bekomme kulturellen Input und mache noch dazu jemand anderem eine Freude – das ist wirklich ein tolles Ehrenamt, bei dem man viel zurückbekommt!“

Die schönste Belohnung ist die Dankbarkeit

Zu Beginn hat Selina Rosemarie ein paar Mal zu Hause besucht, mit ihr Kaffee getrunken und einfach geredet. „Wir mussten uns ja erstmal kennenlernen und schauen, ob wir gut miteinander auskommen!“ erklärt sie. Heute ruft sie die 90-Jährige etwa alle zwei Wochen an, macht ihr Vorschläge für Veranstaltungen, die die beiden zusammen besuchen könnten. „Manchmal liest Rosemarie auch selbst über etwas in der Zeitung und meldet sich dann spontan bei mir. Wir haben keine festen Termine, zu denen wir uns sehen. Aber wenn sie etwas unternehmen möchte, schaue ich, dass ich es einrichten kann.“ Dann holt Selina Rosemarie ab, besucht mit ihr das Event und fährt sie danach auch wieder nach Hause. „Auf der Hinfahrt genießen wir immer schon zusammen die Vorfreude“, erzählt die Studentin. „Und auf der Rückfahrt ist es für mich die schönste Belohnung, ihre Dankbarkeit zu sehen. Wenn Rosemarie glücklich ist, freue ich mich einfach total mit!“

Das Angebot gibt es in vielen Städten
Wenn du dich auch beim KulTour-Begleitungsdienst engagieren möchtest, dann kannst du dieses Formular ausfüllen.

Eine Freundschaft trotz großem Altersunterschied

Der KulTour-Begleitungsdienst ermöglicht Ehrenamtlichen, sich mit viel Freiheit und Flexibilität zu engagieren. „Es ist wirklich abwechslungsreich – perfekt für alle, die kulturell interessiert sind. Ungezwungen, spontan und frei!“ sagt Selina.

Und das Beste ist: Man schafft gemeinsame Erinnerungen.

Selina, Ehrenamtliche im KulTour-Begleitungsdienst.

Selina und Rosemarie reden oft über Dinge, die sie gemeinsam erlebt haben. Inzwischen sind die beiden trotz großem Altersunterschied befreundet. „Sie erzählt mir viel von früher und ich berichte ihr zum Beispiel vom Studium und meinen Urlauben. Manchmal besuche ich sie auch einfach auf einen Kaffee, wir reden oder spielen ein Gesellschaftsspiel zusammen, auch wenn wir keinen Kulturtermin haben. Unser Verhältnis ist sehr herzlich und persönlich. Rosemarie ist eine echte Bereicherung für mein Leben – und ich hoffentlich auch für ihres.“

Der Zusammenhalt in der Gruppe der KulTour-Begleiter ist toll

Rund zehn Ehrenamtliche engagieren sich aktuell beim KulTour-Begleitungsdienst in Eichstätt, die Gruppe trifft sich regelmäßig mit ihrer Leiterin. „Dann tauschen wir uns aus, geben uns Tipps und Rückhalt. Manchmal unternehmen wir auch alle zusammen etwas mit unseren Begleitpersonen.“ erzählt Selina. „Und wir springen füreinander ein, wenn jemand mal aus Zeitgründen nicht zu einem Event mit seiner Begleitperson gehen kann.“ Denn zu Hause bleiben, das muss dank des KulTour-Begleitungsdienstes niemand mehr.

Warum brauchen junge Menschen besondere Unterstützung?

Die Pflegesituation überfordert Heranwachsende. Und es wäre wünschenswert, wenn sie die Pflege gar nicht übernehmen und damit bestimmte Dinge nicht erleben müssen. Aber der erste Schritt ist, dass wir diese Kinder und Jugendlichen aus der Unsichtbarkeit herauszuholen, sie wahrnehmen und ihnen Hilfsangebote machen. Wie können wir sie unterstützen? Was brauchen sie? Jeder von uns ist gefragt hinzuschauen!


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