Cash-for-Work-Programme: Neue Methoden humanitärer Hilfe

Nach einer ersten Testphase im letzten Jahr weiten wir unsere Cash-for-Work-Programme im Irak aus. Warum wir diese Methode weiter ausbauen möchten und welche Vor- aber auch Nachteile sie bietet, haben wir hier zusammengestellt. 

Cash-for- Work-Programme: Was ist das?

Kern der Cash-for-Work-Programme ist, dass die Teilnehmer dieser Programme gemeinnützige Arbeit leisten und dafür entlohnt werden. Von ihrem Gehalt können die Teilnehmer ihre Familien wieder selbst versorgen, die lokale Wirtschaft und die Gemeinden werden unterstützt. Wir führen Cash-for-Work-Programme zurzeit vor allem in Flüchtlingslagern im Irak durch, wo die Teilnehmenden vor allem im Latrinenbau oder in der Gesundheitsweiterbildung eingesetzt werden. 

Worin liegen die Vorteile von Cash-for-Work-Programmen?

Cash-for-Work-Programme bieten eine große Anzahl von Vorteilen, weswegen wir ihre Durchführung forcieren möchten. Zunächst einmal stärken Sie die individuellen Teilnehmer des Programms, indem sie ihnen ermöglichen, selbst für die Versorgung ihrer Familie zu sorgen. Das hat einen positiven Effekt auf das Selbstbewusstsein und hilft zudem oft auch über Traumata und psychologische Probleme hinweg, unter denen die Menschen leiden, die vor den Gewalttaten des IS im Irak fliehen mussten. Dadurch, dass die Menschen selbstbestimmt mit ihrem Gehalt umgehen können, wird einerseits die lokale Wirtschaft unterstützt, andererseits gibt diese Selbstbestimmung den Teilnehmenden ein Stück Normalität zurück, die das Leben im Flüchtlingslager oft vermissen lässt. Die gemeinnützige Arbeit, die allen Bewohnern des Flüchtlingslagers zu Gute kommt, ermöglicht es außerdem, Strukturen wie zum Beispiel Latrinen schnell aufzubauen und so das Leben aller im Camp nachhaltig zu verbessern. Außerdem können durch diese Programme marginalisierte Bevölkerungsgruppen besser in die Gemeinschaft integriert werden. Vor allem Frauen, Mitglieder ethnischer oder religiöser Gruppen oder auch Menschen mit Behinderungen können so gezielter integriert werden.  Vor allem Frauen können sehr von den Programmen profitieren. Dadurch, dass sie zum Haushaltseinkommen beitragen können, wird ihre Stellung verbessert und ihr Einfluss auf die Ausgaben des Haushaltes erhöht. 

Gibt es auch Nachteile bei Cash-for-Work-Programmen?

Es gibt ein paar Nachteile, die bei Cash-for-Work-Programmen zu beachten sind und denen durch enges Monitoring und Steuerung begegnet werden kann und muss. Dazu zählt zunächst, dass solche Programme nur in solchen Orten implementiert werden können, wo die Bargeldwirtschaft (noch) funktioniert und funktionierende Märkte vorhanden sind, wo die Teilnehmenden einkaufen gehen können. In Gegenden, deren Wirtschaft von Tauschhandel bestimmt wird oder in denen es aufgrund von z.B. humanitären Katastrophen kein Angebot an Lebensmitteln gibt, machen solche Programme keinen Sinn. Des Weiteren müssen die Auswirkungen der Programme eng beobachtet werden: es ist zum Beispiel möglich, dass es zu Inflationseffekten oder Preisverschiebungen kommt. Außerdem gibt es die Möglichkeit von Missbrauch der Gehälter und Sicherheitsrisken bei der Verteilung der Löhne. Auch die Effekte auf die lokale Wirtschaft und Gesellschaft müssen beobachtet werden. Es kann dazu kommen, dass traditionelle Wege der Erwerbsarbeit negativ beeinflusst werden indem zum Beispiel traditionelles Handwerk oder Dienstleistungen vernachlässigt werden und Menschen ungewollt in die Abhängigkeit von Cash-for-Work-Programmen geraten. Außerdem muss geprüft werden, ob durch die Programme alle Bevölkerungsgruppen erreicht werden können. Die Programme eignen sich nicht für alte, kranke oder verletzte Menschen, denen es nicht möglich ist, sich selbst zu versorgen. Bei der Teilnahme von Frauen an den Programmen müssen außerdem die kulturellen Gegebenheiten und Kontexte und die gesellschaftliche Stellung der Frauen beachtet werden, um positive Effekte sicherzustellen. Durch eine sensible Anpassung der Programme an die Bedürfnisse der Frauen kann ihre Partizipation allerdings zum Erfolg werden.

Quelle: MercyCorps

Projektinfos

Gruppe Bauarbeiter aus dem Cash-for-Work-Programm

Wo: Nordirak
Was: Cash-for-Work-Programme

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Teilnehmerin eines Cash-for-Work-Programms im Irak
© Fotograf/in: Wolf Lux
Cash-for-Work-Programm: Planung und Besprechung einer Latrine
© Fotograf/in: Wolf Lux
Frauen bei einer Schulung im Rahmen des Cash-for-Work-Programms
© Fotograf/in: Wolf Lux
Cash-for-Work-Programm: Männer arbeiten als Bauarbeiter
© Fotograf/in: Wolf Lux
Cash-for-Work-Programm Gesundheitskurs für Frauen