Ein halbes Jahr danach: Hurrikan Matthew

Neue Hoffnung für Fifine Paul

„Es war eine schreckliche Nacht für uns! Nach dem Erdbeben 2010 hatten wir endlich alles wieder aufgebaut und es ging bergauf für uns. Die Fischerei lief  gut und wir konnten uns einigermaßen über Wasser halten. Doch das alles änderte sich in dieser einen Nacht.“ Tränen sammeln sich in Fifine Pauls Augen, wenn sie über die schicksalhafte Nacht im Oktober 2016 erzählt, in der Hurrikan Matthew über Haiti hinwegfegte und ihr und ihrer Familie zum zweiten Mal alles nahm. Ihre Heimatstadt Belle Anse wurde komplett verwüstet. Überall lagen Trümmer, die gesamte Ernte wurde vernichtet und alle Fischernetze zerstört, auch Fifines. Damit war nicht nur der Fang des Tages verloren, sondern ihre gesamte Lebensgrundlage. Denn Fifine, ihr Mann und die sechs Kinder im Alter von 3 bis 16 Jahren leben vom Fischfang. Ein schweres und mühsames Geschäft, das oft nicht viel Ertrag abwirft. Deswegen leben die meisten Familien aus Belle Anse in Armut. 

Fischerin aus Haiti mit ihrem Kind auf dem Arm

Leben vom Fischfang

Belle Anse, die Stadt mit rund 50.000 Einwohnern liegt im Süden Haitis, direkt an der Küste, und ist eine der ärmsten Städte des Landes. Durch ihre Lage direkt an der Südküste Haitis ist sie außerdem extrem gefährdet durch Stürme, Fluten oder Flutwellen. Trotz der Gefahren, denen sie durch das Meer ausgesetzt sind, leben die Menschen aus Belle Anse mehrheitlich vom Fischfang. So bestimmt das Glück beim täglichen Auswerfen der Netze, wie viel Geld am Ende des Arbeitstages in der Familienkasse landet.Von dem durch den Fischfang erwirtschafteten Geld müssen sich die Familien nicht nur ernähren, sondern auch das Schulgeld für die Kinder zahlen. In Belle-Anse gibt es zwar keine weiterführenden Schulen, aber die grundständigen vermitteln den Kindern wichtiges Wissen und Fähigkeiten, um einmal einen besseren Job zu erlernen und nicht mehr in Abhängigkeit vom Fischfang leben zu müssen. Deswegen ist es fast allen Eltern wichtig, dass die Kinder die Schule besuchen. So auch Fifine. Ihr größter Traum ist es, dass ihre älteste Tochter sogar einmal studiert, um einen Job zu finden, mit dem sie die jüngeren Geschwister ernähren kann: „Für den Zeitpunkt, wenn mein Mann und ich mal nicht mehr leben.“

Bilder aus Haiti

Fischer auf Haiti
© Fotograf/in: Malteser International
Zerstörtes Haus in Belle Anse, Haiti
© Fotograf/in: Malteser International
Zerstörtes Fischerboot auf Haiti
© Fotograf/in: Aktion Deutschland hilft
Kinder vor dem von den Maltesern gebauten Aquädukt in Haiti
© Fotograf/in: Malteser International
Wasserkanal in Haiti
© Fotograf/in: Malteser International
Kinder beim Wasserholen
© Fotograf/in: Malteser International
Durch das Aquädukt fließt sauberes Wasser
© Fotograf/in: Malteser International

Malteser helfen nachhaltig

Deswegen war es für sie ein großer Segen, dass die Malteser die Familie direkt nach dem verheerenden Hurrikan Matthew mit dem Nötigsten versorgten und ihr neue Fischernetze zur Verfügung stellen konnten. Damit konnte sie sofort wieder den Lebensunterhalt für die Familie bestreiten und kam nicht in Verzug mit den Zahlungen des Schulgelds, sodass ihre Kinder die Schule weiterhin besuchen können. 

Doch trotzdem bleibt für Fifine die Angst: „Ich bin sehr dankbar, dass uns so schnell geholfen wurde. Aber fast in jedem Jahr fegt ein schwerer Sturm über uns hinweg. Ich habe das Gefühl, dass sie von Jahr zu Jahr schlimmer werden. Und immer bringen sie Zerstörung, Hunger und Krankheiten. 

Aus diesem Grund arbeiten wir nicht nur in der Notversorgung der Menschen sondern auch daran, sie insgesamt besser vor den Auswirkungen solcher Naturkatastrophen wie Hurrikan Matthew zu schützen. Dazu errichten wir derzeit eine stabile Wasserleitung, die Stürmen und Fluten standhalten kann und so immer sauberes Trinkwasser nach Belle Anse liefert. Das verhindert den Ausbruch und die Verbreitung vieler Infektionskrankheiten. Außerdem hilft die Leitung, die Felder der Kleinbauern in der Gegend zu bewässern und sie in Dürrezeiten unabhängiger zu machen. Die Fischer in und rund um Belle Anse bekommen außerdem eine bessere Ausrüstung, sodass sie in der nächsten Hurrikan-Saison nicht wieder ihre gesamte Existenzgrundlage verlieren. 

„Durch die Hilfe der Malteser rückt mein Traum, dass meine Kinder die Schule besuchen und dass meine Älteste vielleicht sogar studieren kann, in greifbare Nähe. Ich bin unendlich dankbar für diese Hilfe.“