Drei von vier Betreuten können wieder allein leben

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Bild zeigt den Aulhof in Siegburg von der Straßenseite
Im Aulhof in Siegburg treffen sich die Klienten der Malteser-Johanniter-Johanneshaus Gesellschaft. Im Hof gibt es viele andere Gelegenheiten für gemeinsame Aktivitäten (Foto: Malteser).

Bonn/Siegburg. Am 21. April feiert die Malteser-Johanniter-Johanneshaus gGmbH ihr 25-jähriges Jubiläum.  Es ist das einzige gemeinsame Unternehmen der Malteser und Johanniter und begleitet Menschen mit psychischen Erkrankungen auf dem Weg der Genesung und Eingliederung in die Gesellschaft. Das Konzept ist beispielhaft für ähnliche Initiativen. Die Einrichtung entwickelte sich seit der Gründung von einem kleinen Heimanbieter mit vier Häusern zu einem modernen Unternehmen der Gemeindepsychiatrie,  das erfolgreich rehabilitativ und inklusiv wirkt.

„Seit 2005 haben wir mehr als 74 Prozent der von schweren psychischen Krisen betroffenen Menschen zu einem selbstständigen Wohnen und Leben gefördert, mit nur noch wenig ambulanter Unterstützung“, sagt Petra Steil, Geschäftsführerin der Malteser-Johanniter-Johanneshaus gGmbH.

Das Joint-Venture der beiden Orden Malteser und Johanniter betreibt im Rhein-Sieg-Kreis vier in der Gemeinde vernetzte intensiv betreute Wohnhäuser mit insgesamt 57 Einzelzimmern/Appartements. Alle Leistungen sind im Trialog mit Nutzern, Angehörigen und den Betreuern entwickelt worden. Sie sind nach Pro-Psychiatrie-Qualität (PPQ) zertifiziert.

Die Einrichtung bietet neben intensiv betreuten Wohngruppen auch ambulant betreutes Wohnen in regulären kommunalen Mietwohnungen sowie Ergo- und Arbeitstherapie mit Praxiszulassung und Anbindung an den ersten Arbeitsmarkt für Stadtteil und Region. Alle Leistungen sind in der öffentlichen Verwaltung vernetzt, für jeden Bürger erreichbar und sind nicht offensichtlich als Psychiatrie zu identifizieren.

Das Unternehmen bietet außerdem im Stadtteil vernetzt mit anderen Anbietern und der Klinik des Landschaftsverbandes Rheinland die sogenannte EX-IN-Ausbildung zum Genesungsbegleiter an. EX-IN bedeutet, es werden Menschen, die früher selbst psychisch erkrankt waren und eigene Psychiatrie-Erfahrung haben, zu Genesungsbegleitern von Menschen mit psychischen Erkrankungen ausgebildet. Die Malteser-Johanniter-Johanneshaus gGmbH ist als Bildungsträger zertifiziert und kann die Kurse auch über das Jobcenter finanzieren. Im Unternehmen sind derzeit fünf Genesungsbegleiter in allen Leistungsbereichen beschäftigt, und zwar von der 450 €-Stelle bis hin zur EX-IN-Dozentin bzw. -Leitungskraft.

Das Unternehmen wurde seit 2007 für den Einsatz solcher EX-IN-Mitarbeiter umstrukturiert, die Unternehmenskultur angepasst. „Die in der Sozialpsychiatrie oft zitierte »Augenhöhe« und Qualität benötigt deutlich mehr als Fortbildungen“, sagt  Wolfgang Monheimius, fachlicher Leiter der Malteser-Johanniter-Johanneshaus gGmbH. „Klienten und Angehörige spüren sehr deutlich, ob ihnen Fachkräfte und andere Professionelle mit Respekt und Wertschätzung entgegentreten. Sie spüren auch, ob wir ernsthaft die Genesung und  Eingliederung der Klienten in die Gesellschaft fördern wollen. An der Art, wie wir unsere Beziehungen gestalten, kommunizieren und wie wir fachlich vorgehen, kann man erkennen, welche Qualität unsere Sozialpsychiatrie hat.“

Diese Unternehmenskultur und -struktur erzeugt ein positives Klima in der Einrichtung:

•    Klienten werden nicht nur betreut und therapiert. Sie bringen, wo immer möglich, zu abgestimmten und vorbereiteten Themen ihre Erfahrung und Fähigkeiten mit ein.
•    Statt die Klienten in die Rolle eines Hilfeempfängers zu drängen, vermitteln die Mitarbeiter ihnen Selbstbewusstsein und Wertschätzung ihrer Krisenerfahrungen.
•    Die Mitarbeiter erleben ihre Klienten und deren Angehörige nicht nur in der Betreuung, Therapie und Beratung. Sie unterstützen die Unternehmensentwicklung und steigern die Produktqualität. Die Mitarbeiter schätzen das. Das ist eine besondere Art der Anti-Stigma-Arbeit.
•    Es entwickelt sich ein Perspektivenwechsel für alle Beteiligten. Gegenseitiges Verstehen und Verständigung werden gepflegt und weiterentwickelt.

Die Beteiligung der Angehörigen, Klienten und der psychiatrieerfahrenen Genesungsbegleiter führt im Johanneshaus immer wieder zu neuen Entwicklungen, die den Klienten unmittelbar helfen. Sie fühlen sich besser und fassen neue Ziele ins Auge.


Von Petra Steil und Wolfgang Monheimius


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