Fakten statt Stimmungslage

Malteser Migrationsbericht 2019

Der Malteser Mirgationsbericht 2019 will Fakten zur Migration analysieren. Er lässt den Schluss zu, dass die Immigration – nicht nur, aber insbesondere auch die von Geflüchteten – für Deutschland bewältigbar ist. Dies gilt insbesondere für die Finanzen. Eine große Herausforderung ist die soziale und kulturelle Integration.

Fühlen sich die Zugewanderten als Teil unserer Gesellschaft? Ob dies so ist, hängt in erster Priorität an der Frage, ob sie Arbeit finden.

Porträts aus dem Malteser Migrationsbericht

Migrationsentwicklungen - ein aktueller Überblick

Zu- und Fortzüge über die Grenzen Deutschlands

Zu- und Fortzüge über die Grenzen Deutschlands

Im Jahr 2017 sind mit einem Wanderungssaldo von 416.000 Personen mehr Menschen nach Deutschland zugezogen als fortgezogen. Damit bleibt die Nettozuwanderung, also die Differenz zwischen 1,55 Millionen Zu- und 1,13 Millionen Fortzügen, in Deutschland im achten Jahr in Folge positiv und addiert sich seit dem Jahr 2010 auf 3,8 Millionen Menschen (siehe Abbildung 1). Dass der Zuzug nach Deutschland nicht zu einem noch deutlicheren Bevölkerungswachstum geführt hat, ist der gegenwärtigen demografischen Lage, also der alternden Bevölkerung und dem damit verbundenen Rückgang der ansässigen Bevölkerung geschuldet.

Aufgrund der Zuwanderung wuchs die Gesamtbevölkerung seit dem Jahr 2010 um rund eine Million Personen und belief sich Ende 2017 auf 82,8 Millionen Personen. Ohne Zuzüge wäre die Bevölkerung seit 2010 also um 2,8 Millionen gesunken.

Stichwort Asyl – Verfahren, Entscheide, Perspektiven

Entwicklung der Asylanträge und Asylentscheidungen (Erst- und Folgeanträge) von Januar 2015 bis April 2019

Entwicklung der Asylanträge und Asylentscheidungen (Erst- und Folgeanträge) von Januar 2015 bis April 2019

Von Januar 2015 bis April 2019 haben etwas mehr als 940.000 Asylsuchende in Deutschland einen Schutzstatus erhalten. Insgesamt wurden im Jahr 2018 knapp 217.000 Entscheidungen über Asylanträge getroffen; im Jahr 2017 waren es noch 603.000. Im Vergleich zwischen 2017 und 2018 ist die Zahl der Entscheidungen somit um etwa 64 Prozent gesunken.

Ab dem Sommer 2016 ging die Anzahl der gestellten Asylanträge stark zurück. Zeitverzögert führte dies im zweiten Halbjahr 2017 dazu, dass die Entscheidungszahlen deutlich abfielen.

Arbeitsmarkt – der Einfluss von Migration

Veränderung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zum Vorjahresmonat

Veränderung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zum Vorjahresmonat

Wenngleich sich der aktuelle konjunkturelle Abschwung bereits mit ersten Effekten auf dem deutschen Arbeitsmarkt niederschlägt, befindet dieser sich noch immer in guter Verfassung. Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung entwickeln sich nach wie vor positiv; Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind seit dem Jahr 2017 gesunken. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes wird dabei zunehmend von der Migration beeinflusst, die zu einem Anstieg des Arbeitskräfteangebots in Deutschland beiträgt.

Wir stellen die Entwicklungen der Beschäftigung und der Arbeitslosigkeit in Deutschland seit dem Malteser Migrationsbericht 2017 für verschiedene Zuwanderungsgruppen dar. Daran anknüpfend werden Instrumente der Arbeitsmarktpolitik, darunter die Fremdförderung in Integrationskursen und die berufliche Eingliederung, sowie der Ausbildungsmarkt genauer betrachtet.

Asylbedingte Zuwanderung – fiskalische Aspekte

Asylbedingte Leistungen des Bundes (in Milliarden Euro)

Asylbedingte Leistungen des Bundes (in Milliarden Euro)

Wir stellen direkte Ausgaben im Kontext von Fluchtmigration im In- und Ausland dar sowie die Entlastung der Länder und Gemeinden. Danach werden die Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme diskutiert und schließlich langfristige fiskalische Folgen eingeordnet.

Im Jahr 2018 lagen die gesamten asylbedingten Leistungen des Bundes bei rund 23 Milliarden Euro oder 6,8 Prozent an den Gesamtausgaben des Bundes. Die Ausgaben zur Bekämpfung von Fluchtursachen   summierten sich auf 7,9 Milliarden Euro. Sie lagen damit 1 Milliarde höher als geplant. Auf Inlandsleistungen entfielen 15,1 Milliarden Euro, davon wurden die Länder und Gemeinden mit 7,5 Milliarden Euro unterstützt.

Im Jahr 2019 wird erneut mit Gesamtausgaben in der Größenordnung der vergangenen Jahre gerechnet. Dabei sollen Ausgaben in Höhe von 13,0 Milliarden Euro auf Leistungen im Inland entfallen, während 6,9  Milliarden Euro zur Bekämpfung von Fluchtursachen bereitgestellt werden. Diese stellen über nahezu alle betrachteten Jahre hinweg einen Ausgabenschwerpunkt dar. Zu Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2016 nahmen hingegen die gewährten Entlastungen der Länder und Gemeinden die größte Summe ein.

Kriminalität – Migration und Straftaten

Entwicklung der Anzahl aller angezeigten Straftaten in einem Jahr in Deutschland

Entwicklung der Anzahl aller angezeigten Straftaten in einem Jahr in Deutschland

Nicht nur im Kontext von Migration, sondern auch allgemein ist Deutschland sehr viel sicherer, als ein Großteil der Bevölkerung es einschätzt.Der Kriminalitätsbeteiligung von Zugewanderten kommt nicht zuletzt durch die mediale Berichterstattung eine besondere Aufmerksamkeit zu. Dabei bleiben mitunter Hintergründe unberücksichtigt, die zur Einordnung wichtig sind.

Mit einem differenzierten Blick auf die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes (PKS) stellt sich zunächst die aktuelle Lage und Entwicklung der Kriminalität in Deutschland seit den Jahren 2015/16 dar. In der PKS sind alle polizeilich bekannt gewordenen Delikte, aufgeschlüsselt nach Delikten und Tatverdächtigen, über den Zeitraum eines Jahres aufgeführt. Jedoch hat die Statistik einige Schwächen, die deren Aussagekraft einschränken. Die Darstellung nach Delikten verdeutlicht, in welchen Bereichen präventiver Handlungsbedarf besteht. Auch werden die Herkunft und die soziodemografischen Hintergründe der  schutzsuchenden Tatverdächtigen näher beleuchtet.

Gesellschaftliche Teilhabe – Integration von Geflüchteten

Einschätzungen zur gesellschaftlichen Teilhabe

Einschätzungen zur gesellschaftlichen Teilhabe

Unter den befragten Geflüchteten gaben im Jahr 2017 23,6 Prozent an, sich „sehr oft“ oder „oft“ sozial isoliert zu fühlen, und 25,9 Prozent hatten das Gefühl, außen vor zu sein. Im Vergleich zum Vorjahr hat keine nennenswerte Entwicklung stattgefunden.

Die identifikatorische Integration, gemessen an diesen Einschätzungen zur gesellschaftlichen Teilhabe, scheint insbesondere für Geduldete schwierig zu sein. Sie gaben häufiger als anerkannte Schutzsuchende an, das Gefühl zu haben, sozial isoliert und in der Gesellschaft außen vor zu sein. Gerade soziale Beziehungen und die Teilhabe am alltäglichen Leben spielen jedoch eine entscheidende Rolle für das Zugehörigkeitsgefühl.