Hier wird Inklusion gelebt

Sofia ist neun Jahre alt und besucht die Luitpoldschule in Mering. Das quirlige Mädchen ist beliebt, lernt schnell und fühlt sich wohl in ihrer Klasse. Und dennoch könnte sie die Grundschule aufgrund einer angeborenen körperlichen Behinderung, die sie im Rollstuhl sitzen lässt, nicht ohne Weiteres besuchen.

Hier kommt unser Schulbegleitdienst ins Spiel: Schulbegleiterin Antja Klengel unterstützt Sofia, wenn ihr die Hürden im Schulalltag zu hoch werden. So schiebt sie etwa ihren Rollstuhl über die langen Flure, reicht ihr Arbeitsmaterialien oder kommuniziert mit Lehrern zwecks alternativer Übungen für den Sportunterricht. Dank Antja Klengel kann Sofia lernen und in den Pausen unbeschwert Zeit mit ihren Freunden verbringen – denn ebendies hat sich der Schulbegleitdienst der Malteser zum Ziel gesetzt: Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung zu ermöglichen, gleichberechtigt an der Gesellschaft teilzuhaben.

Kontakt:

Ulrike Kunz
Referentin Schule und Jugend
(0221) 9822-2644
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Ein ganz normaler Schultag: Um 7.30 Uhr klingelt es. Antja Klengel holt Sofia ab, um sie in die Schule zu begleiten. Die beiden kennen sich inzwischen seit zwei Jahren, sie gehen vertraut miteinander um, sind ein eingespieltes Team. Plaudernd machen sie sich auf den Weg in die Grundschule, Antja Klengel schiebt dabei Sofias Rollstuhl. Die zierliche Neunjährige ist mit einer körperlichen Behinderung auf die Welt gekommen. Doch ungeachtet dieser Hürde fühlt sie sich in der Luitpoldschule in Mering pudelwohl. Damit Sofia möglichst ohne Einschränkungen am Schulalltag teilnehmen kann, nehmen ihre Eltern unseren Schulbegleitdienst in Anspruch.

Mit Vertrauen und Aufmerksamkeit ein Team im Schulalltag

Antja Klengel begleitet Sofia täglich zur Schule. Wenn sie morgens am Schulgebäude ankommen, fahren sie direkt mit dem Treppenlift hinauf in den ersten Stock, wo sich Sofias Klassenzimmer befindet. "Ab und zu ist ihr der Treppenlift zu langsam, dann klettert sie raus und auf ihren Händen die Treppe hinauf", erzählt die Schulbegleiterin augenzwinkernd. Sie nimmt nicht nur an allen Schulstunden des Mädchens teil und unterstützt sie etwa beim Bücher holen oder Jacke aufhängen. Wenn nötig trifft sie auch Absprachen mit Lehrern, schlägt etwa alternative Sportübungen vor und denkt dann an die besonderen Bedürfnisse der Schülerin, wenn Lehrer aufgrund ihrer vollen Schulklassen manchmal keinen Blick dafür haben können. Die Schwierigkeit ist dabei stets, zwischen Verantwortung und Freiheit abzuwägen: "Sofia ist lebhaft, düst in den Pausen gerne mit ihren Freunden ab und sagt nicht unbedingt, wenn sie Hilfe braucht", so Antja Klengel. Aufmerksames Beobachten und Abwägen sowie Vertrauen seien daher das Wichtigste.

Individualität und Chancengleichheit

Der Malteser Schulbegleitdienst betreut Kinder und Jugendliche mit geistiger, körperlicher oder seelischer Behinderung in Kindergärten und -krippen, Horten sowie Schulen. Auf vertrauensvoller Basis ermöglichen die Schulbegleiter den Besuch der entsprechenden Einrichtungen und ermöglichen damit ein Stück weit Inklusion für die Betroffenen. Alexandra Sattler, Ansprechpartnerin für den Schulbegleitdienst der Malteser in Augsburg, ist diese Chancengleichheit eine besondere Herzensangelegenheit: "Für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen ist es enorm wichtig, eine passende Regel- oder Fördereinrichtung erfolgreich besuchen zu können, um später ihren individuellen Platz in der Gesellschaft zu finden", sagt Sattler.

Die neunjährige Sofia beim Hausaufgaben machen mit Malteser Schulbegleiterin Antja Klengel am Tisch.

Wir koordinieren die Einsätze der Schulbegleiter, kümmern uns um Formalitäten, führen Gespräche mit Erziehungsberechtigten, schulischen Einrichtungen sowie Kostenträgern und stehen stets als Ansprechpartner für Eltern, Lehrer und Schulbegleiter zur Verfügung. Den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Schulbegleitdienst bieten wir darüber hinaus Schulungen sowie Fortbildungen und regelmäßige Dienstbesprechungen an. Im Vordergrund stehen dabei stets die Förderung der Selbstständigkeit der Kinder und Jugendlichen sowie deren Integration in den Klassenverband bzw. in die Gruppe.

Inklusion als aktiver Beitrag zur Gleichstellung

Durch die Schulbegleiter wird Inklusion möglich und Gleichstellung erlebbar während durch die im Jahr 2008 in Kraft getretene UN-Behindertenrechtskonvention die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen bestärkt wurde. Die Kosten für den Schulbegleitdienst trägt auf Antrag der Staat: Für nähere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung.

Dank ihrer Schulbegleiterin kann Sofia die Hürden ihres Schulalltags überwinden und hat ihren Platz in der Klasse gefunden. Sie ist eine Bereicherung für ihre Mitschüler und Lehrer: Sie alle haben gelernt, mit ihrer Behinderung umzugehen und Berührungsängste abzulegen – ein Zeichen, dass Inklusion gelungen ist.