Power-Teams

Aufgabe der Schulbegleiter ist die Selbstständigkeit ihrer Schützlinge

Fabio ist 13 Jahre alt, geht in die siebte Klasse Gymnasium, hat Mathe und Sport als Lieblingsfächer und steuert mit den Händen, die unmittelbar an den Schultern ansetzen, virtuos seinen Elektrorollstuhl. Beim Verstauen seiner Sachen im Ranzen, beim Herausholen und Aufmachen des Mäppchens hilft ihm Niklas, sein Schulbegleiter von den Maltesern. Er stützt ihn auch, wenn mal Treppen zu Fuß zu bewältigen sind, denn auch Fabios Beine sind beeinträchtigt. 

„Ich hätte nicht gedacht, wie eigenständig jemand sein kann, der eine Behinderung hat“, erinnert sich Niklas. „Ich übernehme nichts für ihn, sondern helfe Fabio nur bei den Sachen, die er wirklich nicht kann. Und es ist immer wieder toll zu sehen, was er alles selbst hinkriegt. Als wir im Schwimmbad waren, habe ich ihm geholfen, die Flossen an- und auszuziehen, aber er ist alleine rein ins Wasser und raus aus dem Wasser.“ „Ja, ich kann sehr gut schwimmen mit Flossen“, bestätigt Fabio.

Kontakt:

Ulrike Kunz
Referentin Schule und Jugend
(0221) 9822-2644
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"Wichtig ist für uns, was das jeweilige Kind braucht"

Schultags um 7.45 Uhr trifft Niklas, der 20 Jahre alt ist, nach dem Abitur gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Maltesern macht und danach zur Kriminalpolizei will, Fabio vor der Schule. Der muss nicht gefahren werden, sondern kommt mit seinem E-Roll mit dem Bus, was zu arrangieren nicht einfach war. „Das haben wir durchgeboxt“, ist Fabio stolz. Sieben Schulbegleiter, alle von den Maltesern, hatte Fabio bisher. Die wechseln jedes Schuljahr aufgrund der einjährigen Dienstzeit. Vom Malteser Service hat Fabio eine klare Meinung: „Ich war immer sehr zufrieden“, sagt das blonde Temperamentsbündel. „Wenn mal jemand krank ist, kommt ein anderer ersatzweise. Einmal sogar die Chefin Frau Meyer. Ich würde die Malteser auf jeden Fall empfehlen!“

„Wichtig ist für uns, bei den Schulbegleitungen genau hinzuschauen, was das jeweilige Kind braucht“, betont Carmen Meyer, die als Dienststellenleiterin der Malteser in Altenstadt die 18 Schulbegleiter koordiniert, darunter 12 aus den Freiwilligendiensten. Passt eine junge Frau oder ein junger Mann besser? Meist entstehen Tandems des gleichen Geschlechts. Das macht das Helfen einfacher – beispielsweise beim Toilettengang. Die Schulbegleiter haben auch eine Brückenfunktion. Meyer: „Wir sind das Bindeglied zwischen Schule und Eltern. Denn es gibt ja auch Kinder, die zu Hause nichts von der Schule erzählen können. Da braucht es einiges Geschick, diese Lücke zu schließen.“

Dieser Blick aufs Ganze ist das Plus der Malteser bei den Schulbegleitungen im Wetteraukreis – und die jungen Leute aus den Freiwilligendiensten. „Die Kinder und gerade die Jugendlichen mit Handicap verstehen sich besser mit jüngeren Begleitern und finden sie cooler als beispielsweise Frauen in meinem Alter“, erläutert die 49-jährige Dienststellenleiterin. „Die Akzeptanz in der Klasse ist ebenfalls einfacher.“ In einer 40-stündigen Fortbildung zum Behindertenbegleiter lernen die jungen Freiwilligen den Umgang mit Menschen mit Behinderung und dabei auch ihre Rechte und Pflichten als Assistenten in der Schule.

Ein Malteser Schulbegleiter mit seinem Schützling auf dem Schulhof.

Für Carmen Meyer ist der Schulbegleitdienst eine Erfolgsgeschichte: „Regelmäßig haben wir auch ältere Freiwillige dabei, die dadurch einen guten Einstieg zurück ins Berufsleben finden. Vier von den ‚Ü27‘ arbeiten inzwischen bei uns in Vollzeit.“ Und dann gibt es noch etwas: Aus den Schulbegleitungen sind mit viel ehrenamtlichem Engagement in Altenstadt Ferienfreizeiten für junge Menschen mit und ohne Behinderung entstanden. Einmal haben sie Drillinge mitgenommen, drei Jungs, einer von ihnen behindert. „Das war das erste Mal seit 15 Jahren, dass wir eine Woche für uns hatten, dass alle drei Kinder gleichzeitig untergebracht und gut betreut waren“, sagten die Eltern, als sie ihre Drillinge nach einer Woche abholten. „Wenn wir eine solche Ferienfreizeit anbieten, werden wir schier überrannt. Die etwa 20 Plätze sind schon zwei Tage nach Bekanntgabe weg“, freut sich Carmen Meyer. Auch eine Erfolgsgeschichte.

Text und Foto: Christoph Zeller