"Wir vernetzen die Familien!"

Birgit M. ist gelernte Kinderkrankenschwester und arbeitet jetzt als Koordinatorin beim ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst im Katharinen Hospiz am Park in Flensburg. Zuständig ist sie hier für die Begleitung der Familien mit erkrankten Kindern und für die Schulung der Ehrenamtlichen.

"Kinder und Jugendhospizarbeit ist ein ganz wichtiger Bestandteil für Familien mit erkrankten Kindern. Wir bieten unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten für diese Familien: ein Pflegedienst, der sich ausschließlich um die Pflege kümmert. Außerdem gibt es Therapeuten, die kommen: Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie. Aber es gibt auch die Notwendigkeit in den Familien, dass jemand da ist, der zuhört, der ein Gegenüber ist, der die Familien unterstützt, der Zeit hat. Wir können da sein, ohne auf die Uhr zu gucken.

Eine Mama hat mal gesagt: „Ich fühl mich wie auf einer einsamen Insel, seit ich weiß, dass mein Kind erkrankt ist. Irgendwie habe ich das Gefühl, wir sind irgendwie ganz alleine und isoliert.“ Wir bieten den Familien Austauschmöglichkeiten mit anderen Familien, die erkrankte Kinder haben – im Rahmen von Familienfreizeiten und Familiencafés. Man merkt ganz deutlich – das war mir am Anfang gar nicht so klar: Die sprechen eindeutig eine Sprache. Die verstehen sich.

Die Familien müssen sich nichts erklären. Nach einen Familiencafé standen sie vor dem Auto einer Familie. Sie haben sich ganz genau angeguckt, wie eine elektrische Rampe funktioniert, was da gut und praktisch ist, wo man besser das eine oder das andere bekommt und ähnliches. Das ist Vernetzung der Familien pur. Das versuchen wir zu unterstützen.

Hätte mir jemand vor 15 Jahre gesagt, ich arbeite im Kinder- und Jugendhospiz, hätte ich gesagt: ja, ganz bestimmt – nicht. Das hätte ich nicht gedacht. Ein Erlebnis war bei mir der erste Anstoß: Ein Kind bei uns auf der Station im Krankenhaus ist verstorben und ich war dabei. Ich dachte: Das muss doch irgendwie anders gehen. Ein bisschen heimeliger. Mit ein bisschen mehr Zeit und auch ein bisschen mehr Unterstützung für die Eltern. Also wir haben – natürlich im Rahmen unserer Möglichkeiten – getan, was wir konnten. Aber im Krankenhaus ist das natürlich was ganz anderes.

Und dann war die Anzeige in der Zeitung. Vom Katharinen Hospiz am Park. Die suchten eine Teilzeitkraft für den Kinder- und Jugendhospizdienst. Und da hab ich gedacht: Guck ich doch mal, ob das passen kann. Als ich hier angefangen hatte, war das natürlich alles ganz neu für mich. Ich war mir auch nicht sicher, ob es das ist. Ich denke, da braucht doch jeder erstmal eine Zeit, um zu schauen: Kann ich das wirklich? Ist dieses Thema eins, was ich nicht nur mit nach Hause schleppe und was ich nicht verarbeiten kann. Aber ich hab gemerkt, dass das passt, dass wir ein gutes Team sind und dass ich im Rahmen dieses Teams auch schwere Themen aushalten kann. Mir tut das unheimlich gut, wenn ich Familien unterstützen kann und Zeit für sie habe. Wenn sie hinterher sagen: „Ja, das hat mir gut getan, dass Sie hier waren, dass Sie mir zugehört haben oder dass ich jetzt bestimmte Sachen klarer sehe. Dass Sie sich Zeit genommen haben, mir zu erkläre, wo bekomme ich Unterstützung zusätzlich her? Was steht mir alles zu?“ Auch das machen wir ja. Pflegeberatungen.

Ich habe ja auch gedacht: Kann das gut gehen mit meiner Familie? Ich hab ja auch einen Sohn. Schlepp ich das alles nach Hause? Die Reaktion ist anders. Meien Familie sagt: Nein, das ist nicht so."