"Die Oma sitzt als Engel auf einer Wolke."

Porträtaufnahme: Mitarbeiterinnen Malteser ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst

Tamara B. war im kaufmännischen Beruf tätig. Jetzt als Rentnerin arbeitet sie ehrenamtlich in der ambulanten Kinder- und Jugendhospizarbeit.

Alexandra K. ist gelernte Erzieherin und arbeitet heute im ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst. Schwerpunktmäßig ist sie zuständig für die Trauerbegleitung und Trauergruppen für Kinder und Jugendliche und im Kindergarten- und Schulbereich.


Tamara: Bevor ich hier angefangen habe, habe ich mich lange gefragt: Kann ich mit Kindern umgehen? Kann ich mit schwerstkranken Kindern umgehen? Kann ich mir das zumuten? Kann ich den nötigen Abstand finden? Heute sage ich: Es ist wirklich eine Bereicherung in meinem Leben.
 
In unserer einjährigen Ausbildung wurden wir sehr gut vorbereitet. Hier hatte ich schon mein erstes Aha-Erlebnis: Mensch, was kann ich alles. Das habe ich mir gar nicht zugetraut. Und dann habe ich ein Praktikum gemacht bei einem Jungen, der nicht spricht. Warum weiß man bis heute noch nicht. Sechs Jahre alt. Und ich hab Zugang zu ihm gefunden. Der hat mich richtig angelächelt und wollte sogar, dass ich den Arm um ihn lege. Das war für mich ein ganz tolles Erlebnis.

Auf dem Rückweg bin ich dann in ein Café an die Schlei gefahren, habe ein Stück Kuchen gegessen, mich des Lebens gefreut, die Sonne genossen und einfach gesagt: Ja, das ist es.

Alexandra: Ich habe 20 Jahre lang ein Jugendzentrum mitgeleitet, wo mir das Thema Sterben natürlich auch immer wieder begegnet ist. Ob das nun schwer erkrankte Eltern sind oder Jugendliche, die verunglückt sind oder Suizid begangen haben. Und auch da musste ich reagieren und auf die Kinder und Jugendlichen eingehen. Da habe ich schon angefangen, mich sehr intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Tamara: Bei unserem letzten Projekt in der Schule mit 15- bis 17-jährigen Kindern habe ich gedacht, dass die Schüler sich zu cool finden, um sich ernsthaft mit dem Thema Tod und Trauer zu beschäftigen. Ich war sehr erstaunt, dass die Schüler das Thema angenommen haben. Wir haben die durch das Hospiz geführt, haben Filme gezeigt und sie dann selber darüber sprechen lassen, in welchem Alter sie ein Abschiedserlebnis hatten. Die Jugendlichen waren sehr offen für das Thema und haben keine dummen Sprüche gemacht, wie ich sie erwartet habe. Das hat mich unheimlich berührt. Wir sagen ja immer: „Na ja, die Jugend von heute…“ Aber das stimmt nicht. Die Jugend kann man wirklich mitreißen.

Alexandra: In der Grundschule ist es noch ein Ticken lebendiger, weil die einfach quirliger sind, viel offener damit umgehen und dann gleich erzählen, dass sie sich überlegt haben, dass ihre Oma bestimmt ein Engel ist und auf der Wolke sitzt. Gerade diese Arbeit zur Jenseitsvorstellung ist vielseitiger als bei den Großen, die natürlich schon ein bisschen abgeklärter sind. Da versuchen wir wissenschaftlicher ranzugehen. Die Kleinen sind wirklich mit Herz dabei.

Erwachsene neigen dazu, immer ganz schnell zu reagieren. Die Kinder und Jugendlichen haben es eigentlich gar nicht so eilig. Die wollen zwar gesehen und wahrgenommen werden. Aber sie möchten auch gerne in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Es soll gar nicht so viel aufgerührt und umgeschüttelt werden.