Menschliche Nähe überzeugt

Wirkungen niedrigschwelliger Betreuung auf Erkrankte und Angehörige

Mehr als 500 Angehörige und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen in der ambulanten Betreuung demenziell veränderter Menschen wurden befragt. 271 Mitarbeiterinnen und 219 Angehörige antworteten und sie sind der Meinung: Ja, die Angehörigen fühlen sich entlastet, sie gewinnen einen neuen Blick auf den Umgang mit dem Erkrankten, sie erfahren eine Menge Unterstützung und der Austausch mit in gleicher Weise Betroffenen ist ihnen überaus hilfreich. Die Mitarbeiter fühlen sich in der Begleitung sicher, sie identifizieren sich in sehr hohem Maße mit ihrer Aufgabe und erleben die direkte Wirkung ihres Einsatzes und Engagements. Das stärkt ihre Motivation.

Das sind die Kernaussagen einer wissenschaftlichen Evaluation des Deutsches Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) in Köln über die Wirkung ambulanter Betreuungsmaßnahmen durch qualifizierte, ehrenamtliche Demenzbegleiter.

Kontakt:

Sabrina Odijk

Sabrina Odijk
Soziales Ehrenamt
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Angehörige gewinnen „neuen Blick“ auf Erkrankte

Eine besondere Qualität in der Betreuung sahen Angehörige in der menschlichen Nähe der Begleiter zu ihrem an Demenz Erkrankten aber auch zu ihnen selbst. Die Erkenntnis, dass demenziell veränderte Menschen nicht nur als „Kranke“ wahrgenommen werden und der Verlauf der Krankheit nicht allein mit Defiziten einhergeht, ist die wertvollste Erfahrung der Angehörigen. Im Ranking der Bewertung folgt gleich darauf der Aspekt, Unterstützung zu erfahren, ohne dafür mit dem Erkrankten die Häuslichkeit verlassen zu müssen. Auch der Austausch mit Personen außerhalb der Familie rangiert weit vorn.

Die Hälfte aller befragten Angehörigen fühlte sich auch zeitlich entlastet, um eigene Freiräume zur Erholung nutzen zu können. Ähnlich hoch bewertet war die Erfahrung, wie gelingend Malteser Demenzbegleiter mit dem Erkrankten umgehen. Einem sehr großen Teil der befragten Angehörigen war es auch wichtig, bei Schwierigkeiten und konkreten Fragen über kompetente Ansprechpartner verfügen zu können. Insgesamt hielten sie die Angebote der Malteser für sehr passend, zuverlässig und zielgerichtet. Mehr als zwei Drittel gaben sogar eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität für den demenziell veränderten Angehörigen an.

Ehrenamtliche Demenzbegleiter fühlen sich sicher und fachlich bestens betreut

Für sieben von zehn Ehrenamtlichen, die sich in der Begleitung demenziell veränderter Menschen qualifizierten, ist es wichtig, als Führungskraft einen fachlich versierten Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin zur Verfügung zu haben, obwohl knapp die Hälfte bereits über Vorerfahrungen in der Betreuung Demenzerkrankter verfügte. Auch die Ausbildung bei den Maltesern war ein wichtiger Grund für die Trägerwahl. Schließlich sahen sie in der Betreuung des Klientels eine besondere Herausforderung und eine Möglichkeit, sich persönlich weiterentwickelnzu können.

Schulungsangebote „in hohem Maße wertvoll“

Die Schulungsangebote bezeichnete ein sehr großer Teil von ihnen als „in hohem Maß wertvoll“. Die Ergebnisse der Betreuung direkt zu erleben, die Regelmäßigkeit des Kontaktes, das Maß an Eigenverantwortung und Selbstständigkeit sind weitere Faktoren, die die Ehrenamtlichen begeisterten. So empfinden laut Studie drei von vier Begleitern, dass ihre Arbeit sehr wichtig ist und sie viel für andere Menschen bewirken können. Jeder zweite fühlt sich als wichtiger Bestandteil der Betreuung und Versorgung von Familien, die von Demenz betroffenen sind.

Die Studie des dip untersuchte auch kritische Momente. Gemessen an der Gesamtzahl der Betreuungsleistungen traten sie nur relativ selten auf: So nahmen 4,5 Prozent der befragten Demenzbegleiter Mängel in der Ernährung wahr, 3,7 Prozent erlebten suizidale Gedanken ihres Betreuten und bei 3,8 Prozent der Begleitungen glaubten sie eine Suchtproblematik zu erkennen. Gewalt war hingegen in nur 0,8 Prozent im Spiel.

Malteser bauen ambulante Demenzbegleitung weiter aus
Auf zwei unterschiedlichen Wegen versuchen die Malteser Licht in den Alltag von Familien zu bringen, die von Demenz betroffen sind. Einmal suchen qualifizierte Demenzbegleiter die Familien zu Hause auf, zum anderen laden sie zur Betreuung in ihr „Café Malta“ ein, wo sich die Erkrankten in einer Gemeinschaft erfahren und sinnliche und musische Erfahrungen ihr Leben bereichern. Mehr als 100 Begleitungs- und Entlastungsdienste für Menschen mit Demenz haben die Malteser bisher aufgebaut, an mehr als 60 Standorten gibt es diese Angebote. Auch Tagesstätten zählen inzwischen dazu.

Was sind Ihrer Einschätzung nach für Ihre/n Angehörige/n besonders wertvolle Erfahrungen im Rahmen der Begleitung? (Mehrere Antwortmöglichkeiten)

Grafik: Besondere Qualität der menschlichen Nähe
Eine besondere Qualität in der Betreuung sahen die Angehörigen in der menschlichen Nähe.

Was sind Ihrer Einschätzung nach für Sie selber besonders wertvolle Erfahrungen im Rahmen der Begleitung? (Mehrere Antwortmöglichkeiten)

Grafik: Einschätzungen zu eigenen wertvollen Erfahrungen
Einschätzungen zu eigenen wertvollen Erfahrungen