Nach der Rehabilitationsphase alle Ressourcen nutzen

Schwerpunktpflege Schlaganfall

Der Wohnbereich Mühlenweide im Malteserstift St. Nikolaus in Duisburg ist ein Wohnbereich mit spezifischer Pflege und Versorgung für Schlaganfallerkrankte. Er hat zwölf Plätze für die Schlaganfallpflege und zwölf Plätze für die normale stationäre Pflege. Dazu kommen zwei Therapieräume und ein Wohlfühlbad. Der Bereich ist durchgehend bei voller Auslastung belegt und hat bereits Wartelisten.

Entstanden ist die Idee zu diesem Schwerpunktbereich aus der Frage: Was kommt nach der Rehabilitation?

Die momentane Lücke zwischen medizinischer Rehabilitation von sechs bis acht Wochen und dem Leben danach soll mit dem Schwerpunktbereich geschlossen werden.

Die Hauptpfeiler des Konzeptes sind eine breite Altersspanne (ab 18 Jahren) sowie die in die Pflege inbegriffenen Therapien wie Ergo- und Physiotherapie. Das Ziel ist es, durch ein speziell abgestimmtes Konzept, eine verlängerte pflegerisch-therapeutische Versorgung anzubieten und den Betroffenen wieder eine persönliche und wohnliche Perspektive zu geben. Das bedeutet eine Linderung der Symptome sowie die Vermeidung von Folgeschäden. Die Selbstständigkeit der Erkrankten und ihre Sicherheit in alltäglichen Situationen (z.B. Lernen, wieder selbst die Zähne zu putzen) soll erhöht werden. Zudem wird eine aktivierende Pflege unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen geboten.

Kontakt:

Malteser Geschäftsbereich Wohnen und Pflegen
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Herausforderungen

Die Diagnose Schlaganfall bedeutet für die Betroffenen häufig den Verlust von Körperfunktionen und damit eines Teiles ihrer Selbstständigkeit. Dadurch sind sie meist in einem hilflosen oftmals auch verwirrten Zustand. Sie sind plötzlich abhängig, andere bestimmen über ihr eigenes Leben und dadurch verlieren die Betroffenen häufig ihre Lebensmotivation bzw. ihren Lebensinhalt. Für die Betroffenen sind die zentralen Fragen: Wie geht es weiter? Was passiert mit mir? Wo soll ich hin?

Die Angehörigen konfrontiert der Schlaganfall mit einem ihnen zwar bekannten Krankheitsbegriff, aber die Folgen oder Probleme sind ihnen oft unklar. Die Angehörigen müssen sich mit den körperlichen und auch kognitiven Einschränkungen (Wesensveränderungen, Depressionen) vertraut machen und die Krankheit akzeptieren. Für viele bedeutet das eine Art "Verlust" eines Angehörigen und löst ein Gefühl der Hilflosigkeit aus.

Das Team muss jeden Betroffenen ganz individuell sehen: Jeder Bewohner bringt eigene Ressourcen und Probleme mit. Nicht jeder Bewohner, der z.B. eine Sprachstörung hat, kann gleich behandelt werden. Es ist eine zum einen ganz spezifische und gleichzeitig ganzheitliche Sichtweise gefragt. Die Pflegekräfte müssen durch genaues Beobachten den Menschen nach dem Schlaganfall kennen lernen, müssen aber auch versuchen, etwas von diesem Menschen vor dem Schlaganfall zu verstehen. Zudem ist es wichtig, die Betroffenen wie Angehörigen aufzuklären und zu motivieren, damit alle gemeinsam auf ein gestecktes Ziel  hin arbeiten können. Für dieses Vorgehen brauchen wir alle Sensibilität, aber vor allem auch Klarheit. Wenn ein Bewohner wieder laufen möchte, muss ihm erläutert werden, dass es vieler kleiner Schritte bedarf, um dieses Ziel zu erreichen und damit begonnen werden muss, jemanden z.B. auf die Bettkante zu setzen.

Empfehlungen

Wer die Einrichtung eines solchen Schwerpunktbereichs plant, dem muss zunächst das Konzept bekannt und dessen Bedeutung klar sein. An einem Runden Tisch sollten mit den Kooperationspartnern zusammen Erwartungen und Vorgehensweisen besprochen werden. Die Mitarbeiter des Malteserstift St. Nikolaus in Duisburg empfehlen, praxisnah am individuellen Problem des Betroffenen fortzubilden und von Anfang an kontinuierliche Einzelfallbesprechungen im Pflegeteam in Zusammenarbeit mit Therapeuten und sozialem Dienst durchzuführen.

In Duisburg gibt es momentan einen gemischten Bereich, der zur Hälfte aus Schlaganfallplätzen und zur anderen Hälfte aus normalen Pflegeplätzen besteht. Erfahrungen zeigen, dass immer die gleichen Pflegekräfte sich in einem Feld betätigen und keine dauerhafte Mischung stattfindet. Daher sollte bei der Planung eines neuen Schwerpunktbereich ein separater Schlaganfallbereich geplant werden.

Lösungsansätze und Erfahrungswerte

Ganz zentral sind die Einzelfallbesprechungen, bei denen einmal im Monat jeder Bewohner besprochen wird. Das gesamte Team - inklusive Therapeuten und wenn notwendig auch Sanitätshausmitarbeiter - spricht über den Pflegeverlauf, die aktuelle tägliche Lebenssituation und das soziale Umfeld des Bewohners. Und nur diese enge Kommunikation erlaubt es, gute weitere Ziele festzusetzen.

Die besondere Behandlung setzt aber bereits vor dem Einzug eines neuen Bewohners ein. Der neue Bewohner wird bereits in der Rehaklinik besucht, um ihn/sie kennen zu lernen, vorhandene Ressourcen zu ermitteln und vor allem, um eine erste Vertrauensbasis zu schaffen. Da die Bewohner sehr häufig depressiv sind, ist das eine ganz wichtige Voraussetzung für eine gute "Zusammenarbeit". Diese Arbeit wird dann intensiv nach dem Einzug fortgesetzt durch die Bezugspflegekraft und das gesamte Team.

Ein sehr großes Thema ist die Teamentwicklung. Die Pflegekräfte müssen lernen, auch mit externen Dienstleistern zusammen zu arbeiten: Ärzte, Therapeuten, Sanitätshäuser,... Daher wird versucht, über die Integration aller im Alltag ein Teamgefühl und auch eine gemeinsame Sprache zu entwickeln. Es gibt tägliche kurze Übergaben und feste Therapeuten. Interne Schulungen werden für Teammitgliedern von Teammitgliedern organisiert und es gibt wöchentlich fest terminierte "Schlaganfallkonferenzen" mit Therapeuten, sozialem Dienst und Pflege.

Erfahrungswerte
Bewährt hat sich die Zusammenarbeit in einem multidisziplinären Team. Dabei ist ein hohes Maß an Offenheit unverzichtbar (auch mal sagen, was nicht gut läuft) genauso wie das Einhalten fester Termine. Eine feste Bezugsperson und ganz klar geregelte Zuständigkeiten für Bewohner, Angehörige und externe Dienstleister (wer macht was wann?) sind ebenfalls ein Muss.

Besonders wichtig sind die Einzelfallbesprechungen, die durch das Team (Bezugspflegekräfte und Pflegeassistenten) vorbereitet werden und auch mit Filmsequenzen gestützt werden. Diese Filme helfen auch, um Angehörigen oder Bewohnern Fortschritte aufzuzeigen. Es hat sich dagegen nicht bewährt, allgemeine Fortbildungen zu bestimmten Fachthemen zu veranstalten.